
MAA sprach mit Fabian Krieg
Ich wollte etwas Echtes machen – Warum sich ein 19-Jähriger bewusst fürs Handwerk entschieden hat
Fabian Krieg aus Mögglingen ist 19 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei ROM in Aalen. Im Interview spricht er über seinen Weg ins Handwerk, über Montagebaustellen, Berufsschule und Verantwortung – und darüber, warum eine Ausbildung für ihn mindestens so viel Wert hat wie ein Studium.
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Foto: MAA
Stellst du dich selbst vor?
Ich bin Fabian Krieg, komme aus Mögglingen, ich bin 19 Jahre alt und seit 2023 bei der ROM in Aalen als Auszubildender angestellt. Ich mache eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Das ist der Oberbegriff für den klassischen Elektriker. Früher war das ein Beruf, inzwischen ist er in mehrere Fachrichtungen aufgeteilt.
Gab es einen besonderen Grund, warum du dich für genau diese Fachrichtung entschieden hast?
Ja, weil dieser Beruf viele andere mit abdeckt. Es gibt zum Beispiel Automatisierungstechniker, die eher im Schaltschrankbau tätig sind, oder Spezialisierungen auf erneuerbare Energien wie Windkraftanlagen. Mein Beruf deckt den klassischen Elektriker ab – also Hausinstallationen, Industrie, Verteilerbau. Er ist sehr breit aufgestellt.
Kannst du dich noch erinnern, wie du während deiner Schulzeit überhaupt auf diese Idee gekommen bist?
Das kam durch einen Bekannten, der bei ROM gearbeitet hat. Er hat bei uns zuhause den Anschluss für den Staubsauger an der Steckdose gewechselt. Das fand ich interessant. Außerdem war für mich schon früh klar, dass ich einen handwerklichen Beruf lernen möchte. Ich habe dann recherchiert, welche Berufe es gibt, und mir war wichtig, dass ich den Job auch im Alter noch ausüben kann, dass er mir Spaß macht und dass ich nicht komplett vom Wetter abhängig bin. So bin ich beim Elektriker gelandet.
Zuvor habe ich mir viele Berufe angeschaut: Maurer, Zimmermann, Landschaftsgärtner. Der Landschaftsgärtner ist sehr witterungsabhängig, der Zimmermann oft auf dem Dach unterwegs. Ich hatte auch einen Onkel in einer handwerklichen Branche, der später in die Industrie wechseln musste, um ein gutes Gehalt zu bekommen. Beim Elektriker hatte ich das Gefühl, dass hier Zukunftsperspektive, Gehalt und Spaß am besten zusammenpassen. Außerdem habe ich zuhause schon mit Kleinspannung gearbeitet, ein bisschen programmiert – das kam dann alles zusammen.

Fabian Krieg im Gespräch mit MAA (Foto: ROM)
Hat sich das bestätigt, was du dir damals vorgestellt hast?
Auf jeden Fall. Mir macht der Beruf nach wie vor Spaß. Und das ist für mich das Wichtigste: etwas zu lernen, woran man Freude hat und wo man sich wohlfühlt.
Und das ist für mich das Wichtigste: etwas zu lernen, woran man Freude hat und wo man sich wohlfühlt.
Du hast dich bewusst für eine Ausbildung entschieden und nicht für ein Studium. Warum?
Ich bin einfach niemand, der gerne lange sitzt. Ein späterer Bürojob kam für mich nicht infrage. Ich wollte etwas Handwerkliches machen, etwas Praktisches. Deshalb war eine Ausbildung für mich der logischste Weg. Ich mache auch privat viel handwerklich, das ergänzt sich gut.
Ist es für dich wichtig, am Ende des Tages zu sehen, was du geschafft hast?
Auf jeden Fall. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sieht, was man geleistet hat. Das ist auch mein Anspruch: meine Arbeit schnell und gut zu machen. Am Ende sieht man das Ergebnis – und ob der Kunde zufrieden ist.
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Du bist als Auszubildender ja nicht nur im Betrieb, sondern auch draußen beim Kunden auf der Baustelle. Ist das so, wie du es dir vorgestellt hast?
Teilweise. Ich habe mir den Beruf anfangs etwas anders vorgestellt, weil ich vorher ja noch nicht als Elektriker gearbeitet hatte. In der Realschule wusste ich noch nicht, was alles dazugehört. Durch das Praktikum habe ich dann gemerkt, dass es nicht nur um Steckdosen und Schalter geht. Erst einmal müssen Leitungen gezogen werden, das macht einen großen Teil des Berufs aus. Danach kommt die Feininstallation. Aber am Ende sehe ich mein Werk – und das gefällt mir.
Hat dich die Technik begeistert?
Ja, definitiv. Auch die Berechnungen in der Berufsschule machen mir Spaß. Wenn neue Themen kommen und man versteht, wie Werte entstehen und was hinter der Elektrik steckt. Es geht ja nicht nur darum, irgendein Kabel zu ziehen. Man muss auf viele Dinge achten, damit später nichts passiert und alles sicher ist. Das finde ich spannend. Vom Wissensstand her gehört der Elektriker sicher zu den anspruchsvolleren Ausbildungen. Man muss sich viel Wissen aufbauen.
Früher hieß es oft: Der Elektriker ist der Schlaueste auf der Baustelle, bekommt aber am wenigsten Geld. Stimmt das noch?
Nein, das erlebe ich heute anders.
Bist du zufrieden damit?
Ja, sehr.
Warum hast du dich dann für deinen jetzigen Ausbildungsbetrieb entschieden?
Auch das lief über den Bekannten, der bei ROM gearbeitet hat. Als klar war, dass ich Elektriker lernen möchte, habe ich hier mein Schülerpraktikum gemacht. Das hat mir gefallen, vor allem auch, weil ich mir eine Ausbildung in einem größeren Betrieb gut vorstellen konnte. Ich habe zum Vergleich noch ein Praktikum bei einem anderen Betrieb gemacht, weil mir meine Ausbildung sehr wichtig war. Am Ende hatte ich hier das Gefühl, dass hier die Ausbildung am besten ist.
Nach welchen Kriterien hast du das beurteilt?
Zum Beispiel nach den Weiterbildungsmöglichkeiten während und nach der Ausbildung und danach, in welche Bereiche man reinschauen kann. Kleine Betriebe decken oft nur ein Thema ab, etwa Service oder nur PV-Anlagen. Hier ist das anders: Wir sind sehr breit aufgestellt – von Planung über Brandmeldeanlagen, Sicherheitstechnik, Kundendienst, Wartung bis zu normalen Elektroinstallationen, von mittelgroß bis sehr groß, vor allem in der Industrie.
Kommst du während der Ausbildung mit all diesen Bereichen in Kontakt?
Ja, wir haben die Möglichkeit, in alle Bereiche reinzuschauen. So kann man am Ende der Ausbildung sagen: Das hat mir am besten gefallen, zum Beispiel Brandmeldetechnik, und dort möchte ich danach weiterarbeiten.

Fabin Krieg und Heiko Rössel bei ROM (Foto: ROM)
Und das ist dann auch möglich?
Ja, so ist das auch organisiert. Wenn man fertig ist, kann man sich aus den vielen Bereichen das Team aussuchen, in dem man am liebsten weitermachen möchte. Organisiert ist das Ganze aber eher flexibel. Am Anfang wird man erst einmal einem Team zugeteilt. Wenn es dort gut passt oder einem die Arbeit gefällt, muss man nicht zwangsläufig wechseln und wird auch nicht einfach in andere Bereiche gesteckt. Wenn man aber möchte und sich verschiedene „Branchen“ anschauen will, dann darf man das auch.
Wenn man aber möchte und sich verschiedene „Branchen“ anschauen will, dann darf man das auch.
Wie kann man sich so eine Ausbildung im Elektrohandwerk vorstellen? Was machst du in der Berufsschule?
Bei mir ist es so, dass ich alle drei Wochen eine Woche Berufsschule habe. Das ist dann ein ganz normaler Schultag von 8 bis 16 Uhr. Man hat mehrere Fächer, das größte ist BFK – berufsfachliche Kompetenz. Das macht ungefähr 70 Prozent der gesamten Woche aus. Dort lernt man vor allem die Theorie, die weniger direkt mit der Baustelle zu tun hat. Aber man lernt, was hinter der praktischen Arbeit steckt, also die Grundlagen, die Systeme und Zusammenhänge.
Findet das in Aalen statt?
Nein, ich bin in Schwäbisch Gmünd. Aalen bietet den Beruf so leider nicht an. Gmünd oder Ellwangen sind die nächsten Ausbildungsstandorte.
Gibt es dort auch eine Lehrwerkstatt oder ist es eher reiner Unterricht?
Größtenteils ist es Unterricht. Es gibt zwar eine Werkstatt, aber da wird eher selten gearbeitet. Am Anfang macht man Grundschaltungen, damit man versteht, wie sie funktionieren: zum Beispiel, wie man eine Dose verdrahtet, wenn man einen Schalter, drei Schalter, einen Taster oder einen Präsenzmelder hat. Aber insgesamt sind es bestimmt 99 Prozent Theorie.
Und macht das Spaß?
Ja, schon.
Ist das anders als in der normalen Schule, weil du das Gelernte praktisch einordnen kannst?
Teilweise ja. Ich habe auf der Baustelle schon Dinge gesehen, die mir in der Berufsschule dann leichter fallen, weil ich sie praktisch schon erlebt habe. Andersherum ist es eher seltener, weil die Berufsschule für manche Themen einfach länger braucht. Insgesamt ergänzt sich das aber gut, zumindest in vielen Bereichen.
Hast du den Eindruck, dass die Fächer in der Berufsschule wirklich relevant für die Arbeit sind?
Ich würde sagen, etwa die Hälfte braucht man nicht dauerhaft, die andere Hälfte ist aber wichtig – zumindest, um es schon mal gehört zu haben und sich später daran erinnern zu können. Verglichen mit der normalen Schule ist das viel praxisnäher.
Liegt das vielleicht auch daran, dass du dir den Beruf selbst ausgesucht hast?
Ja, auf jeden Fall. In der Berufsschule mache ich im Grunde nur Dinge, die mit meinem Beruf zu tun haben und mir Spaß machen. In der Schule früher musste ich alles machen, auch die Fächer, die mich gar nicht interessiert haben. Das ist jetzt ganz anders, die Lernmotivation ist viel höher. Jetzt interessiert mich fast alles und das Hauptfach Elektrotechnik – das macht mir wirklich Spaß.
Das ist jetzt ganz anders, die Lernmotivation ist viel höher. Jetzt interessiert mich fast alles und das Hauptfach Elektrotechnik – das macht mir wirklich Spaß.
Elektrotechnik hat ja auch viel mit Mathematik und Physik zu tun. Waren das Fächer, die dir schon in der Schule lagen?
Ja, das ist auch wichtig. In der Berufsschule dreht sich sehr viel um Mathematik – nicht als eigenes Fach, sondern um Berechnungen. Man muss Formeln umstellen können, mit Brüchen rechnen. Ohne Mathe kommt man in der Elektrotechnik nicht weit.
Wie sieht dein Arbeitsalltag in den Praxiswochen aus?
Das hängt stark von der Baustelle ab. Momentan bin ich auf einer Montagebaustelle. Von Montag bis Donnerstag werde ich montags um 5 Uhr abgeholt, fahre etwa zwei Stunden zum Kunden und bin dort von 7 bis 18 Uhr auf der Baustelle. Ich übernachte im Hotel und fahre am Donnerstag wieder zurück. Freitag ist dann frei. Ich habe aktuell das Glück, in der Bauleitung mitarbeiten zu dürfen. Der Trupp, bei dem ich gerade bin, betreut vor allem Großbaustellen und kümmert sich um Organisation und Kontrolle. Die eigentliche Arbeit erledigen Subunternehmen. Wir koordinieren, kontrollieren und sorgen dafür, dass alles läuft. Dabei darf ich jetzt seit etwa einem Jahr über die Schulter schauen.
Das ist ja weniger „Handwerk“.
Stimmt, das geht schon ein Stück darüber hinaus. Ganz ohne Handwerk ist es aber nicht. Wenn etwas nicht funktioniert, wenn ein Unternehmen Probleme hat oder bei einer TÜV-Abnahme, dann greift man selbst ein, misst nach und sorgt dafür, dass alles funktioniert. Aber es ist natürlich weniger handwerklich als die reine Installation. Das habe ich davor zwei Jahre lang gemacht: Kabel gezogen, Löcher gebohrt, Lampen montiert – das volle Programm.
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Wie war das organisiert?
Meistens Montag bis Freitag. Entweder wurde man im Betrieb abgeholt oder man ist direkt zur Baustelle gefahren, wenn sie auf dem Weg lag. Wir hatten zum Beispiel eine Baustelle direkt hier in Aalen, das Hirschbachbad. Da bin ich mit dem privaten Auto hingefahren, das war für mich einfacher. Morgens hat man vom Bauleiter gesagt bekommen, was zu tun ist. Je nach Schwierigkeitsgrad und Kenntnisstand durfte man die Aufgaben selbstständig erledigen oder wurde einem Gesellen zugeteilt. Dann ging es ans Arbeiten.
Warst du eher Beobachter oder konntest du richtig mit anpacken?
Man ist eigentlich fast immer am Machen. Zuschauen gehört dazu, um zu sehen, wie es richtig geht. Aber am Ende muss man es selbst können. Und das lernt man nur, indem man es immer wieder selbst macht, bis es sitzt.
Das heißt, wenn du mit Freunden oder mit deinen Eltern ins Hirschbachbad gehst, kannst du sagen: Die Lampe oder die Steckdose habe ich angeschlossen?
Ja, genau.
Du bist ja in einer größeren Firma und hast nicht nur den handwerklichen Teil kennengelernt, sondern auch den koordinierenden. Was hat dir mehr Spaß gemacht?
Der koordinierende Teil.
Wie kann man sich diese koordinierende Tätigkeit vorstellen: mehr Papier und Stift statt Zange und Schraubenzieher?
Ja, schon. Man geht raus, kontrolliert mit dem Plan, überprüft, ob Arbeiten erledigt wurden, fragt nach wo es Probleme gab. Bestellt Material und schaut das alle Arbeiten ohne Unterbrechungen fortgeführt werden können.
Also auch Materialbeschaffung und Organisation?
Ja, genau. Man schaut, ob genug Material da ist. Wenn Subunternehmer sagen, dass etwas fehlt, bestellt man es so, dass es rechtzeitig kommt und der Arbeitsfluss nicht stockt.
Koordinierst du als Auszubildender auch schon andere mit?
Ein wenig. Das wird nach und nach mehr. Von Monat zu Monat bekommt man bedeutendere Aufgaben zugeteilt.
Ist in deiner Ausbildungszeit auch schon mal etwas schiefgegangen?
Natürlich. Das gehört dazu. Mal fliegt eine Sicherung, man zieht ein falsches Kabel, schließt eine Lampe falsch an oder programmiert sie falsch. Oder man vergisst eine Arbeit. Das kommt alles vor.
Hattest du schon mal einen Stromschlag?
In der Firma tatsächlich noch nicht.
Sehr gut, dann hast du die Regeln eingehalten.
Ja. Hier passt man schon sehr auf.
Euer Ausbildungssystem ist ja drei Wochen Praxis, eine Woche Theorie. Wie findest du das?
Sehr gut. Ich bin auf Montagebaustellen und arbeite von Montag bis Donnerstag. Wenn ich jede Woche einen Berufsschultag hätte, könnte ich gar nicht richtig auf Montage mitarbeiten.
Weil du dann ständig unterbrechen müsstest?
Genau. Man würde immer einen Tag fehlen, ich könnte Arbeiten nicht sauber abschließen und müsste jedes Mal neu anfangen. So bin ich zwei oder drei Wochen am Stück im Betrieb, komme richtig rein. In den Ferien ist man manchmal sogar sechs Wochen durchgehend da – und merkt, dass man mehr dazugehört.
Das gefällt dir besser als Schule?
Ja. Ich arbeite gern hier und helfe mit. Die Schule unterbricht den Arbeitsfluss eher.
Seit Beginn deiner Ausbildung hast du fachlich viel gelernt. Hat sich auch menschlich etwas verändert?
Ja, auf jeden Fall. Man wird älter und selbstständiger. Gerade durch den Einblick in die Bauleitung schaut man auch privat anders auf Dinge, hinterfragt mehr und plant bewusster. Man arbeitet eigenständiger.
Gerade durch den Einblick in die Bauleitung schaut man auch privat anders auf Dinge, hinterfragt mehr und plant bewusster. Man arbeitet eigenständiger.
Dazu kommen Dinge wie Ausbildungsvertrag, Gehalt, Organisation – daran wächst man.
Wenn du das mit ehemaligen Mitschülern vergleichst, die Abitur gemacht haben oder studieren: bist du manchmal neidisch?
Nein, eher im Gegenteil. Ich finde, ich bin dadurch sogar attraktiver auf dem Arbeitsmarkt, weil ich schon eine Ausbildung habe und nächstes Jahr richtig im Beruf bin.
Du verdienst Geld und bist früher fertig.
Genau. Die anderen studieren noch, ich arbeite schon. Ich finde, Ausbildung ist heute teilweise wertvoller.
Du siehst den Trend also nicht mehr nur Richtung Studium?
Nein. Ich hoffe, dass Ausbildung und Studium gleichberechtigt wahrgenommen werden. Das würde ich mir persönlich wünschen. Das finde ich gut.
Spürst du trotzdem noch den Druck, dass man „eigentlich studieren sollte“?
Ja, schon. Dieses Alltagsgehätze ist vielleicht nicht mehr ganz so stark, aber in der Schule – und vor allem durch ältere Mitmenschen – hört man das noch oft. Da heißt es dann: „Mach doch direkt weiter, studier doch, mach erstmal einen gescheiten Abschluss.“
Ich hätte von meinen Eltern aus auch studieren können. Ich war auch nicht auf das Ausbildungsgehalt angewiesen. Ich habe mich für die Lehre entschieden, weil sie mir Spaß macht und weil ich hier meine Zukunft sehe.
Denkst du darüber nach, nach der Ausbildung noch weiterzumachen, etwa mit einer Weiterbildung?
Erstmal nicht. Wenn ich nach der Ausbildung hier in der Firma anfangen kann, bin ich damit zunächst zufrieden. Ich möchte erstmal Berufserfahrung sammeln. Meister oder Techniker kann man später immer noch machen.
Du sprichst die Bildungskarriere im Handwerk an. Wie bewertest du das im Vergleich zum Studium?
Ich finde das absolut gleichwertig zu einem Studium. Eigentlich sogar wertvoller, wegen der ganzen Praxis. Mit Meister oder Techniker gibt es viele Möglichkeiten. Man kann später auch Berufsschullehrer werden. Die Wege sind da.
Nach der Ausbildung willst du also erstmal ganz bewusst im Beruf bleiben?
Ja, genau. Ich sehe mich nicht gezwungen, direkt weiterzumachen. Auch nicht aus finanziellen Gründen. Man verdient nach der Ausbildung genug. Man muss keinen Meister draufsetzen, um eine Familie ernähren zu können. Das ist heute im Handwerk schon möglich.
Erlebst du das auch konkret in deinem Umfeld?
Ja. Es gibt viele Monteure und Bauleiter ohne Meister, die eine ganz normale Familie haben – mit Kindern, Urlaub und allem, was dazugehört. Das hat sich im Vergleich zu früher stark verändert. Früher hieß es oft, man müsse studieren, um gut zu verdienen. Das stimmt so nicht mehr.
Wie ist die Ausbildung hier im Betrieb organisiert?
Als ich angefangen habe, gab es eine Ausbildungswerkstatt und einen Ausbildungsleiter. Das war sehr attraktiv. Neben dem Blockunterricht war man zusätzlich eine Woche in der Ausbildungswerkstatt. Man hat im Betrieb Dinge aufgebaut, verdrahtet und praktisch gearbeitet und zusätzlich zur Berufsschule gelernt. Momentan fehlt uns ein Ausbildungsleiter aber wir suchen einen Nachfolger – zusätzlich unterstützten uns aber auch unsere Ausbilder und Kollegen.
Wie läuft es im Moment?
Momentan ist man meist mit einem Trupp unterwegs. Auf Wunsch kann man aber auch andere Bereiche kennenlernen. Wenn es Lernschwächen gibt, werden Lösungen gefunden. Manche Auszubildende bekommen sogar Nachhilfe, die vom Betrieb organisiert und bezahlt wird. Auch zur Prüfungsvorbereitung bekommen wir Zeit und Unterstützung im Betrieb. Das ist nicht selbstverständlich.
Gibt es eine feste Ansprechperson für euch Auszubildende?
Ja. Es gibt immer jemanden, auf den man zugehen kann. Wünsche werden in der Regel auch umgesetzt, wenn sie sinnvoll sind.
Wem würdest du eine Ausbildung wie deine empfehlen?
Für Leute mit handwerklichem Geschick. Für Menschen, die Spaß daran haben, etwas in die Hand zu nehmen und selbst zu machen. Ich würde auch immer ein Praktikum empfehlen. Ich habe mehrere gemacht, um zu sehen, ob der Beruf wirklich zu mir passt.
Hast du diese Praktika schon während der Schulzeit gemacht?
Ja, während der Realschulzeit. Es gab Berufsorientierungstage, einen Berufsberater und viele Stunden, in denen verschiedene Berufe und Wege vorgestellt wurden – Studium, duale Ausbildung, Direkteinstieg. Ein Praktikum war Pflicht, zusätzlich gab es ein Tagespraktikum. Darüber hinaus habe ich in den Ferien noch ein weiteres Praktikum gemacht, freiwillig.
War es leicht, einen Ausbildungsbetrieb zu finden?
Ja, im Handwerk hat man aktuell wirklich viel Auswahl. Die Nachfrage ist hoch. Deshalb bemühen sich die Betriebe sehr, viel zu ermöglichen. Man will die Auszubildenden gewinnen und später auch halten. Das macht die Ausbildung attraktiv.
Empfindest du die Montage, wenn du auch über Nacht weg bist als Belastung?
Nein, eine Belastung ist es auf keinen Fall. Für mich ist es eher eine Bereicherung, weil ich länger vor Ort sein kann. Ich nehme mehr mit, lerne mehr und bin direkt am Geschehen. Natürlich leidet das Private ein bisschen darunter. Man kann nicht spontan nach der Arbeit ins Training oder sich mit Freunden treffen. Aber für mich passt diese Abwägung trotzdem gut. Ich bin lieber auf einem Großprojekt, bei dem ich viel lerne und Erfahrung für die Zukunft sammle, als auf einer kleineren Baustelle, wo der Lerneffekt nicht ganz so groß ist. Dafür nimmt man dann in Kauf, dass das Private etwas zurücksteckt.
Wie lange dauert deine Ausbildung eigentlich insgesamt?
Regulär dauert sie dreieinhalb Jahre. Man kann aber verkürzen, was ich voraussichtlich machen werde. Dann bin ich schon im Juni fertig. Insgesamt sind es dann weniger als drei Jahre.
Und wie erfolgt die Prüfung?
Wir haben eine theoretische Prüfung und eine praktische Prüfung von der Kammer. Zusätzlich gibt es die Berufsschulabschlussprüfung, die man in der Schule macht. Insgesamt habe ich also zwei Theorieprüfungen und einen praktischen Teil.
Und am Ende bist du dann Geselle?
Ja. Nach Teil 1 und Teil 2 der Gesellenprüfung ergibt sich die Gesamtnote. Teil 1 macht man im zweiten Lehrjahr, Teil 2 im dritten – oder im vierten, wenn man die Ausbildung regulär macht. Danach ist man Geselle. Mein Abschluss heißt dann offiziell „Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik“, und ich bekomme meinen Gesellenbrief.
Ist das dieser Gesellenbrief, den viele Handwerker dann Büro im aufhängen?
Genau der. Einen habe ich schon für Teil 1 bekommen, und für Teil 2 kommt dann der endgültige dazu.
Gibt es bei euch auch ein klassisches Gesellenstück?
Nicht so, wie man es von anderen Berufen kennt. Bei uns sind die Teil-1- und Teil-2-Prüfungen praktisch gesehen das Gesellenstück. Man bekommt am Prüfungstag eine Aufgabe für das Brett, baut alles auf, prüft es – und danach wird es wieder abgebaut.
Also viel Arbeit für etwas, das man nicht behalten darf.
Ja, das stimmt. Man baut acht Stunden lang auf – und nach der Prüfung wird es in etwa 30 Minuten wieder abgebaut. Aber erst, nachdem geprüft wurde, ob alles funktioniert hat.
Dann wünsche ich dir viel Erfolg für die anstehenden Prüfungen und alles Gute für deinen weiteren Weg.
Vielen Dank.












