
MAA spricht mit Julia Kurth
Vom verwilderten Garten zum Geschäftsmodell – warum Biodiversität vor der eigenen Haustür beginnt
Julia wuchs in ihrer Kindheit zwischen Blüten, Garten und Natur auf. Später stellte sie sich kritische Fragen nach Sinn, Wirkung und Verantwortung für die Natur. Dieses Gespräch zeigt, warum Artenvielfalt nicht durch Belehrung gerettet wird, weshalb lokale Vorzeigeprojekte oft mehr bewegen als globale Versprechen – und wie Biodiversität vom Idealismus zum tragfähigen Business Case werden kann.
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Foto: Julia Kurth privat
Was hat dich motiviert, dich mit dem Thema Biodiversität zu beschäftigen?
Das hat sich bei mir über einen längeren Zeitraum entwickelt. Ich bin mit der Natur aufgewachsen. Wir hatten einen riesigen Garten, in dem unheimlich viel geblüht hat. Als Kinder haben wir dort Blüten gesammelt, selbstgemachtes Parfüm hergestellt und das sogar an einem kleinen Straßenstand verkauft. Achtung Spoiler - das Parfüm war nicht wirklich nutzbar, aber es hat viel Spaß gemacht.
Nach der Schulzeit wollte ich dann erst einmal einfach Geld verdienen. Das Thema Natur ist dadurch zunächst in den Hintergrund gerückt. Aber mit der Zeit habe ich mich immer häufiger gefragt, ob das wirklich das ist, was ich will, ob mich das erfüllt und ob das für mich beruflich Sinn macht. Es gab nicht diesen einen auslösenden Moment. Vielmehr war es eine Reihe von Beobachtungen in meinem direkten Umfeld:
Schottergärten in der Nachbarschaft, stark versiegelte Gewerbestandorte oder Innenstädte. Diese Dinge haben mich beschäftigt und letztlich dazu gebracht zu sagen: Irgendetwas muss sich ändern. Die Artenvielfalt schwindet, Natur wird immer weiter zurückgedrängt.
Die Artenvielfalt schwindet, Natur wird immer weiter zurückgedrängt.
Mir ist es ein Anliegen geworden, hier wieder mehr Fokus zu setzen – gerade im direkten Umfeld und im Siedlungsbereich.
Du hattest von Anfang an auch das Regionale im Blick – nicht die ganze Welt verändern, sondern dort anfangen, wo man lebt?
Genau, vor der eigenen Haustür. Dort ist es sichtbar und Veränderung erlebbar. Natürlich ist es wichtig, dass es Projekte z.B. in Südamerika gibt, um die dort hohe Artenvielfalt zu schützen. Aber ich glaube, Menschen nimmt man vor allem dann mit, wenn man etwas Sichtbares direkt vor Ort schafft.
Sind die Menschen inzwischen sensibilisiert – oder finden sie es immer noch gut, Flächen weiter zu versiegeln und Gärten „anzulegen“?
Mein Eindruck ist, dass die Versiegelung weiterhin zunimmt, ebenso monotone Gartengestaltungen - sei es im Privaten oder im gewerblichen Kontext. Rollrasen, Plastikzäune statt Hecken. Dieser Drang, alles sauber und ordentlich zu halten erstreckt sich mittlerweile von unseren Wohnzimmern bis in unsere Gärten. Es muss noch viel passieren, damit wir der Natur wieder mehr Raum geben.
Gibt es also noch einiges zu tun, was die Aufklärung angeht?
Ja, aber vielleicht noch wichtiger als aufzuklären ist es, Begeisterung zu wecken. Belehren funktioniert nicht – das will niemand, egal ob beim Thema Ernährung, Naturschutz oder Mobilität. Das ist der falsche Ansatz. Wichtiger sind Vorzeigeprojekte, die zum Umdenken und Nachahmen motivieren. Viele naturschädliche Gestaltungen entstehen gar nicht bewusst, sondern aus Gewohnheit, aus Kostengründen oder aufgrund falscher Vorstellungen über den Pflegeaufwand.
Ist das Vorzeigen für dich ein guter Weg, Menschen zu erreichen – weil sie sehen, dass es auch schön sein kann?
Ja, unbedingt. Ich möchte Projekte machen, die Menschen begeistern.
Gibt es noch weitere Ideen, wie man Menschen mitnehmen kann, ohne Widerstände zu erzeugen?
Ich setze mit meinem Unternehmen vor allem bei Kommunen und Unternehmen an. Natürlich, weil zunehmend Nachfrage entsteht - getrieben z.B. durch die Notwendigkeit zur Klimaanpassung. Aber auch, weil ich überzeugt bin: Wenn man dort Naturoasen schafft – zum Beispiel am Firmenstandort, den Mitarbeitende täglich besuchen, oder auf öffentlichen Flächen in der Kommune – dann schafft man den Sprung ins Private leichter. Also in die Gärten der Mitarbeitenden, in die Gärten der Bürgerinnen und Bürger.
Ein Multiplikatoreneffekt? Man sieht etwas beim Arbeitgeber oder in der Kommune und denkt: Das könnte ich bei mir zu Hause auch machen?
Genau.
In einigen Orten unserer Region sieht man bereits ungemähte Wiesenränder oder Kreisverkehre, die nicht mehr aggressiv zugepflastert werden. Geht das in die richtige Richtung?
Absolut. Das hat zwei Gründe. Zum einen wird dies gefördert, zum Beispiel über die KfW, teilweise mit Zuschüssen von bis zu 90 Prozent für Kommunen. Zum anderen ist es wirtschaftlich sinnvoll: Weniger oder andere Pflege spart Zeit und Geld. Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist das für Kommunen durchaus zweckmäßig.
Eine typische Win-win-win-Situation also: Die Kommune spart Aufwand, bekommt Förderung – und die Natur profitiert.
Ja, genau. Der Knackpunkt ist es Routinen zu verändern. Unsere Blickgewohnheiten, Pflegevorstellungen und Erwartungen daran, wie öffentlicher oder privater Raum aussehen „muss“, stehen dem oft noch im Weg.
Der Knackpunkt ist es Routinen zu verändern. Unsere Blickgewohnheiten, Pflegevorstellungen und Erwartungen daran, wie öffentlicher oder privater Raum aussehen „muss“, stehen dem oft noch im Weg.
Aber auf kommunaler Ebene verbessert sich aktuell vieles, das sehe ich auch so.
Eigentlich ist das ja kurios: Viele Menschen fahren weit weg, um unberührte Natur zu erleben – und zu Hause wollen sie dann alles im rechten Winkel haben.
Diese Beobachtung mache ich auch immer häufiger. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass Menschen einen wilderen Anblick oder einen naturnahen Stadtpark schöner finden als komplett „leer geräumte“ Flächen. Trotzdem gelingt dieser Übertrag ins eigene Leben oft nicht. Das wäre tatsächlich spannend, genauer zu untersuchen.
Du hast vorhin erwähnt, dass du Umwelt-, Natur- und Artenschutz nicht nur als Thema, sondern auch als Business verstehst. Das ist ja eine besondere Kombination.
Ja. Vielleicht auch, weil wir es bisher eher kennen, dass gerade Naturschutz von vielen ehrenamtlichen Akteuren erbracht wird. Auch wenn meine Arbeit nicht klassisch in den Naturschutz zählt, so ist es doch so, dass es um die Förderung von Artenvielfalt geht. Und da gibt es oft die Vorstellung, dass sowas nettes Beiwerk ist und ehrenamtliche Arbeit sein soll.
Dabei geht es um unsere Lebensgrundlagen. Um Ökosystemleistungen, von denen wir alle und das Funktionieren unserer Wirtschaft abhängen. Eckard von Hirschhausen hat mal den sehr passenden Satz gesagt: "Es ist schwer, die Welt ehrenamtlich zu retten, solange andere sie hauptamtlich zerstören."
Man hätte sich auch in bestehenden Organisationen engagieren können – aber du hast dich bewusst für einen unternehmerischen Weg entschieden.
Richtig. NGOs leisten im Bereich Artenschutz, Biodiversität und Naturschutz eine sehr wichtige Arbeit. Aber ich bin überzeugt, dass – auch vor dem Hintergrund zunehmender gesetzlicher Vorgaben und eines Umdenkens in der Wirtschaft – in diesem Bereich künftig auch Geld verdient werden kann. Es muss nicht alles spendenbasiert sein. Abgesehen davon, dass Spenden auch nicht mehr ausreichen, um Natur im ausreichenden Maße wiederherzustellen und zu schützen. Das hat auch die EU erkannt, die mit dem Green Deal und der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung Finanzströme künftig mehr in naturverträglichere Bahnen lenken möchte. Auch wird diskutiert, sogenannte Biodiversity Credits zu schaffen - analog zu CO2-Zertifikaten. Es geht also um marktbasierte Steuerung hin zu mehr Naturschutz. Und da wird sich ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig entwickeln.
Wann kam bei dir die Motivation, zu sagen: Das ist ein spannendes Thema, ich kann der Umwelt etwas Gutes tun und gleichzeitig ein Business aufbauen, das mich – und vielleicht auch andere – ernähren kann?
Mich hat v.a. die Entschlossenheit auf EU-Ebene motiviert, Stichwort Green Deal. Also das Bestreben, unsere Wirtschaft langfristig zu umzubauen, dass sie naturverträglicher wird. Wir haben das beim Thema Klima und CO2 gesehen. Das Thema Biodiversität soll in diese Fußstapfen treten. Leider ist es aktuell so, dass viele positive Initiativen unter dem Deckmantel von Bürokratieabbau zurückgedreht werden. Klar, für viele Unternehmen erscheint es erstmal wie eine Last und sicher sollte man auch über die Art und Weise sprechen, wie man das Thema auf die Straße bringt. Aber beim Thema Biodiversität ist es z.B. so, dass es ganz konkret gutes Risikomanagement ist, wenn man sich als Unternehmen damit beschäftigt, welchen Einfluss man auf die Natur hat und umgekehrt. Und welche Geschäftsrisiken im Naturverlust stecken. Es geht dabei um Rohstoffe, um Lieferketten, um Logistik und vieles mehr. Aber neben dem, was politisch an Rückschritten passiert freue ich mich immer wieder, dass es Unternehmen gibt, die intrinsisch motiviert sind, Biodiversitätsprojekte umzusetzen, weil sie z.B. ihren Standort aufwerten wollen, oder Mitarbeitende binden wollen.
Hast du dafür ein Beispiel?
Ja, wir haben hier in der Region, in der Nähe von Crailsheim, einen Textilmittelständler, der aus eigener Initiative sein Firmengelände naturnah gestaltet hat. Dort wurden Schafe eingesetzt – gewissermaßen als tierische Mähroboter. Das kam bei den Mitarbeitenden extrem gut an.
Dort wurden Schafe eingesetzt – gewissermaßen als tierische Mähroboter. Das kam bei den Mitarbeitenden extrem gut an.
Es wurde abgestimmt, wie die Schafe heißen sollen und vieles mehr. Für mich zeigt das: Die Menschen begeistert so etwas, und wie Du eingangs sagtest, Menschen mögen Natur. Deshalb immer wieder der Ansatz, über lokale Projekte die Leute mitzunehmen.
Du beobachtest also auch ohne gesetzlichen Zwang eine Bereitschaft, etwas für die Umwelt zu tun. Ist das echte Motivation oder eher von wirtschaftlichen Gründen getrieben?
Ich sehe beides, und beides braucht es auch. Unternehmen spenden ganz klassisch für Naturschutzprojekte. Aber gerade Unternehmen, die stark abhängig sind von den Leistungen der Natur, wie z.B. aus der Lebensmittelbranche, aus dem Tourismus, aus der Rohstoffverarbeitung, etc. gehen stärker dazu über, ihre Produkte und Prozesse naturverträglicher zu gestalten - aus wirtschaftlichen Gründen, weil sie dadurch z.B. Risiken minimieren. Ich selbst habe auch ein ganz praktisches Beispiel. Ich verkaufe die DAS TUN WIR Archen für Wildbienen. Man kann sich das ein bisschen wie spezielle Hochbeete vorstellen, die perfekt sind, um versiegelte Flächen aufzuwerten. Die Deutsche Bahn hat an vielen Bahnhöfen im Südwesten diese Archen platziert, um Falschparkern vorzubeugen. Die Archen sind für sie nicht teurer als andere technische Barrieren. Und noch dazu werten sie die Bahnhöfe auf und sind gute Öffentlichkeitsarbeit.
Das heißt, der Zugang ist eher pragmatisch als moralisch?
Ja. Ich glaube, langfristig kann man nur so ein Business aufbauen. Es gibt sicher Unternehmen, die aus reinem Goodwill handeln, aber das ist nicht die Mehrheit – gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Unternehmen schauen berechtigterweise darauf, welchen Nutzen sie haben. Wenn man Biodiversität in einen Business Case übersetzen kann, vielleicht sogar mit einem ROI (Anmerkung MAA: das es ich rechnet), dann ist das der beste Weg.
Kommen wir zu deinem Unternehmen. Was kann man konkret bei dir kaufen oder beauftragen?
Ich bin noch in den Anfängen, aber es gibt bereits konkrete Angebote. Zum einen sind das die DAS TUN WIR Archen für Wildbienen und Schmetterlinge. Das sind Hochbeete mit Wildpflanzen und Insektennisthilfen, die auf versiegelten Flächen aufgestellt werden können. Einige stehen bereits an Bahnhöfen im Südwesten, andere bei Unternehmen in der Region.
Außerdem biete ich Biodiversitätsberatung für Kommunen und Unternehmen an. Kürzlich war ich bei einem Unternehmen in Schwäbisch Gmünd, das sein Gelände naturnah umgestalten möchte. Dafür erstelle ich Konzepte, wie Tier- und Pflanzenwelt gezielt gefördert und damit auch schöne Aufenthaltsbereiche für Kunden und Mitarbeiter geschaffen werden können.
Gibt es schon Pläne für die nächsten Schritte?
Ja, ich orientiere mich gerade in Richtung digitaler Produkte. Mehr möchte ich noch nicht verraten, weil es ein laufendes Förderverfahren ist. Ich habe mich gemeinsam mit dem Naturkundemuseum Stuttgart auf ein Projekt beworben. Es geht darum, Menschen für Natur zu begeistern, das Ganze mit einem lokalen Biodiversitäts-Monitoring zu verbinden und Unternehmen über Anreizsysteme einzubinden. Sobald das in trockenen Tüchern ist, erzähle ich gerne mehr.
Dann machen wir daraus einfach eine Fortsetzung.
Zum Schluss noch einmal grundsätzlich: Biodiversität ist ein sperriger Begriff. Was sind typische Fehlannahmen, die dir immer wieder begegnen?
Zunächst einmal wissen viele Menschen gar nicht genau, was hinter dem Begriff steckt. Etwas geläufiger ist der Begriff Artenvielfalt. Aber bei Biodiversität geht es nicht nur um Artenvielfalt. Es geht auch darum, die genetische Vielfalt unserer Arten zu erhalten.
Aber bei Biodiversität geht es nicht nur um Artenvielfalt. Es geht auch darum, die genetische Vielfalt unserer Arten zu erhalten.
Das wird z.B. dadurch erschwert, dass wir Lebensräume immer stärker zerteilen, z.B. mit Straßen trennen. Und das führt dazu, dass Populationen von Arten genetisch verarmen und sie anfälliger werden für Krankheiten - nur ein Beispiel. Und es geht bei Biodiversität auch um die Vielfalt der Ökosysteme. Wir brauchen nicht nur Wiesen, sondern auch Wälder, Moore, etc. - verkürzt dargestellt. Vielfalt schafft Vielfalt. Vernetzung schafft Resilienz.
Was mir immer mal wieder passiert, wenn ich sage, dass ich mich beruflich für die Biodiversität engagiere, ist, dass Menschen an Honigbienen, Bienenstöcke und Blühstreifen denken. Scheinbar ist das Volksbegehren "Rettet die Bienen" in den Köpfen geblieben. Vielleicht würde ich das nicht Fehlannahme nennen, sondern eher ein sehr stark verkürzter Blick der Öffentlichkeit auf dieses komplexe Thema.
Was sind Fehlschlüsse oder falsche Vorstellungen bei den Unternehmen?
Ich glaube, viele Unternehmen denken beim Thema Biodiversität, dass sie vor der eigenen Haustür gar nicht so viel bewirken können. Dann heißt es: Wir gehen lieber nach Brasilien und finanzieren dort ein Regenwaldprojekt, weil wir dort mehr Impact haben.
Du plädierst eher für das Regionale?
Gerade vor dem Hintergrund der Klimaanpassung ist es wichtig, vor der eigenen Haustür aktiv zu werden. Wir sehen ja immer öfter: Im Sommer kann man sichim Siedlungsbereich teils kaum noch aufhalten. Biodiversitätsprojekte, naturnahe Flächengestaltung schaffen gleichzeitig auch Kühlung, Schatten, Resilienz gegen Starkregenereignisse. Das liefert sehr konkrete Argumente, lokal etwas zu tun.
Gibt es einen Unterschied zwischen CO₂ - Reduzierung und Biodiversität?
Ich sehe da einen großen Unterschied. Bei CO₂-Emissionen ist es relativ egal, wo sie entstehen. Sie wirken sich immer global aus. Biodiversität und Naturschutz wirken lokal. Wenn ich hier etwas für Artenvielfalt tue, profitiert meine Region direkt – und ich selbst auch.
Ich habe einen Teil meines Gartens verwildern lassen und mache im Grunde nichts. Einmal im Jahr gehe ich mit dem Balkenmäher drüber, sonst gar nicht. Müsste ich mehr tun?
Ich finde das erstmal großartig. Man kann das nicht pauschal beantworten, weil es sehr standortabhängig ist. Wichtig ist: Was ist für dich praktikabel? Du hast wenig Zeit, und dafür ist dein Ansatz genau richtig. Einmal im Jahr mähen, sonst in Ruhe lassen – das ist für Insekten top. Weniger Pflege ist mehr, gerade wenn man die Artenvielfalt fördern möchte.
Nichts tun kann also auch helfen?
Genau. Man muss sich nicht einlesen, kein Experte sein. Es reicht, einen Teil des Gartens verwildern zu lassen, weniger zu mähen, Büsche nicht ständig zu schneiden. Kleine Maßnahmen haben oft einen großen Impact.
Du bist regional stark verankert. Wie erlebst du unsere Region für dein Business?
Wir haben eine starke Wirtschaft und auch wir haben viele Gewerbestandorte mit viel Potenzial zur naturnahen Gestaltung. In den Kommunen passiert teils schon sehr viel. Ich habe vorher in Stuttgart gelebt und erkenne schon einen gewissen Unterschied zwischen Großstadt und ländlicheren Regionen, wie unserer. In unserer Region gibt es noch viel Natur im direkten Umfeld und für viele Menschen gut erreichbar. Das lässt uns manchmal etwas verschwenderisch damit umgehen. Es entstehen immer noch neue Gewerbeparks, es wird viel neu versiegelt, etc. In Großstädten, wie Stuttgart, passiert teils genau das genaue Gegenteil, weil der Handlungsdruck da ist. Es wird entsiegelt statt neu versiegelt. Es werden Fassaden begrünt, etc. Ich hoffe, dass wir die Natur als diese wichtige Ressource begreifen und erhalten statt in einigen Jahrzehnten das wiederherzustellen versuchen, was wir vorher zerstört haben.
Wenn wir auf dein Business schauen: Was hast du unterschätzt?
Mein Business ist kein Selbstläufer. Das Thema ist erklärungsbedürftig. Aufmerksamkeit zu bekommen, ist eine echte Herausforderung. Was ich wirklich unterschätzt habe, ist der Aufwand für Vertrieb und Marketing. Also sichtbar zu machen, was man anbietet, welche Vorteile die Kunden davon haben. Das kostet Zeit und Energie. Ich bin keine klassische Vertrieblerin, das macht mir ehrlich gesagt nicht besonders viel Freude. Deshalb gehe ich eher über indirekte Wege: über Vorträge, Veranstaltungen, Netzwerke. Dort lernen die Menschen mich, meine Arbeit und meine Kompetenz kennen. Das ist für mich der charmantere Weg.
Ohne Vertrieb geht es nicht?
Den Vertrieb kann ich mir leider nicht sparen. Aber so habe ich für mich einen Weg gefunden, der besser zu mir passt. Und ich glaube, diese Erkenntnis teilen viele, die ein eigenes Business starten: Am Ende muss man verkaufen, auch wenn man sich davor erst einmal scheut. Wichtig ist, einen Weg zu finden, der sich stimmig anfühlt.
Das ist wahrscheinlich eine harte Erkenntnis für viele Gründerinnen und Gründer.
Ja, absolut. Und auf meinem Weg wird es sicherlich noch viele weitere Erkenntnisse geben.
Auf deinem Weg wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg!
Vielen Dank!










