
MAA spricht mit Markus Mayer
Nach 7 Monaten Selbständigkeit keinen Cent verdient: und heute trotzdem erfolgreich
Markus M. hat sich als Immobilienmakler selbstständig gemacht – doch sieben Monate lang blieb der Erfolg komplett aus. Ohne Einnahmen, mit schwindendem Erspartem und zunehmenden Selbstzweifeln stand er kurz vor dem Aufgeben. Warum er trotzdem weitergemacht hat, heute seine Leidenschaft mit Sicherheit kombiniert und was wir alle aus seinem Weg lernen können.
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Foto: Markus Mayer, privat
Markus, die Idee, dich als Immobilienmakler selbstständig zu machen, kam nicht über Nacht. Wie hat das Ganze überhaupt angefangen?
Der Gedanke und die Idee von Selbstständigkeit war schon lange da. Ich war im Vertrieb angestellt, habe gutes Geld verdient, aber innerlich gemerkt: Da fehlt mir etwas. Ich wollte mehr Eigenverantwortung, mehr Gestaltungsspielraum, mehr unternehmerisches Arbeiten. Nur das große Problem war: Ich wusste lange nicht, womit genau.
Dann kam der Kontakt zu Bekannten, die seit mehreren Jahren erfolgreich als Immobilienmakler arbeiten. Die haben mir erzählt, wie der Einstieg funktioniert, was man braucht, welche Voraussetzungen nötig sind – und vor allem, dass man sich in diesem Markt wirklich etwas Eigenes aufbauen kann. Das hat bei mir einen Schalter umgelegt.
Wie sahen damals deine nächsten Schritte aus?
Ich habe mich intensiv informiert und dann den offiziellen Weg gewählt. Zuerst habe ich den Antrag nach §34c der Gewerbeordnung gestellt – das ist die gesetzliche Erlaubnis, um als Immobilienmakler arbeiten zu dürfen. Dafür braucht man unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister und den Nachweis der finanziellen Zuverlässigkeit.
Zusätzlich habe ich eine Weiterbildung zum Immobilienmakler bei der IHK gemacht. Dort ging es um Vertragsrecht, Immobilienbewertung, Finanzierung, Vermarktung, Verkaufsprozesse und rechtliche Grundlagen. Mir war wichtig, nicht einfach „irgendwie reinzustolpern“, sondern das Handwerk sauber zu lernen.
Als alles erledigt war, habe ich mein Gewerbe angemeldet – und dann ging es los.
Wie hast du die Anfangszeit erlebt?
Am Anfang war ich extrem motiviert. Ich war voller Energie, hatte diesen typischen Gründer-Drive. Endlich mein eigenes Ding. Endlich Verantwortung für mich selbst.
"Endlich Verantwortung für mich selbst"
Ich habe Akquise gemacht, Besichtigungen organisiert, Kontakte aufgebaut, Reels für Instagram gedreht, Anzeigen geschaltet, telefoniert, geschrieben, Termine gefahren. Ich habe wirklich alles reingesteckt.
Aber mit der Zeit kam Ernüchterung. Woche für Woche verging. Monat für Monat. Und es kam kein Auftrag. Keine Provision. Kein Abschluss. Und der Kontostand von meinen Rücklagen sank von Monat für Monat.
Wie hast du diese Phase erlebt?
Es war brutal. Ich bin Vertriebler, ich kenne Ablehnung – aber das hier war etwas anderes. Du arbeitest konstant, gibst alles – und bekommst nichts zurück.
"am Ende des Monats ist das Konto trotzdem leerer als davor"
Du stehst morgens auf, motivierst dich selbst, investierst Zeit, Energie und Geld – und am Ende des Monats ist das Konto trotzdem leerer als davor. Jeder Einkauf fühlt sich plötzlich schwer an. Jeder Euro zählt.
Und irgendwann fängst du an, nicht nur an der Strategie zu zweifeln, sondern an dir selbst. Bin ich dafür überhaupt gemacht? Habe ich mich überschätzt? Diese Gedanken kommen automatisch.
Nach sieben Monaten hast du die Selbstständigkeit erst einmal beendet. Wie schwer war diese Entscheidung?
Extrem schwer. Es fühlt sich an wie Scheitern. Wie Aufgeben.
Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich das schaffe. Aber mein Erspartes war fast aufgebraucht. Ich musste ehrlich sein: So geht es nicht weiter. Ich brauche Stabilität.
Also habe ich mich bewusst wieder für eine Festanstellung im Vertrieb entschieden. Ich habe in diesem Moment einfach einen sicheren Anker gebraucht. Eine Konstante. Einen festen Boden unter den Füßen.
"Ich habe einfach einen sicheren Anker gebraucht"
Du hast den Traum trotzdem nicht komplett aufgegeben – neben der neuen Festanstellung hast du es nach ein paar Wochen „Makler-Pause“ im Nebenerwerb weiter versucht - warum?
Weil ich gemerkt habe: Diese sieben Monate waren nicht umsonst. Auch wenn kein Geld kam – ich habe unglaublich viel gelernt. Über den Markt. Über Menschen. Über Prozesse. Über mich selbst.
Ich hatte Wissen aufgebaut, Kontakte geknüpft, Erfahrung gesammelt. Es hätte sich falsch angefühlt, das alles einfach wegzuwerfen. Also habe ich gesagt: Ich mache weiter. Nebenbei. Schritt für Schritt. Ohne existenziellen Druck.
Ich denke auch, dass ich nicht damit hätte umgehen können, dass es mit einem finalen Scheitern geendet hätte. Und dieses Scheitern wäre dann als ein solches zu verzeichnen gewesen, wenn ich komplett aufgegeben hätte.
Du hast also weiter durchgezogen und dann kam auch nach kurzer Zeit tatsächlich der erste Auftrag. Was ist da passiert?
Drei Monate nach meinem Neustart im Angestelltenverhältnis kam plötzlich dieser Anruf. Eine große Vier-Zimmer-Wohnung. Mein erster richtiger Maklerauftrag.
Ich war gleichzeitig nervös und euphorisch. Ich habe alles reingesteckt, professionell gearbeitet, sauber vorbereitet – und es hat funktioniert. Die Wohnung war schnell verkauft.
"Du bist nicht gescheitert. Du warst einfach zu früh"
Das war ein unglaublicher Moment – wie eine Art Belohnung für die lange Zeit in der ich gekämpft habe, jedoch nichts zurückbekommen habe. Ich habe dadurch meine Selbstsicherheit im Kontext der Selbstständigkeit wieder zurückerlangt. Mir wurde klar: Du bist nicht gescheitert. Du warst einfach zu früh.
Wie hat sich dein Blick auf Erfolg seitdem verändert?
Früher dachte ich: Entweder Vollgas selbstständig oder gar nicht. Heute sehe ich das differenzierter.
Manchmal ist der klügere Weg, Sicherheit und Leidenschaft zu kombinieren. Mein Angestelltenjob gibt mir Stabilität. Mein Maklergeschäft gibt mir Perspektive, Wachstum und Sinn.
Diese Mischung tut mir aktuell gut. Ich treffe bessere Entscheidungen, arbeite klarer und schlafe ruhiger.
Was würdest du Menschen sagen, die gerade an ihren Träumen zweifeln?
Scheitern ist kein Endpunkt. Es ist ein Kapitel.
Manchmal führt der Weg nicht geradeaus. Manchmal macht man einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu kommen. Und manchmal darf man seine Strategie ändern, ohne seinen Traum zu verraten.
Dranbleiben heißt nicht immer durchziehen um jeden Preis. Dranbleiben heißt auch, sich neu aufzustellen.
Wo stehst du heute – und wie geht es weiter?
Ich stehe stabiler als je zuvor. Finanziell ruhiger. Mental klarer.
Ich baue mein Maklergeschäft weiter nebenbei aus, sammle Erfahrung, optimiere Abläufe. Und wenn das Fundament wirklich trägt, kann ich mir vorstellen, irgendwann wieder voll einzusteigen – diesmal nicht aus Hoffnung, sondern aus Substanz.











