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Wissen und Bildung

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MAA spricht mit Christine Schmid

Zwischen Stundenplan und Lebensweg

Wer Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Aalen studiert, begegnet ihr früher oder später. Sie organisiert, berät und begleitet Studierende oft über viele Jahre hinweg. Im Interview erzählt sie, warum Gemeinschaft so wichtig ist, welche Veränderungen sie bei jungen Menschen beobachtet – und weshalb sie optimistisch in die Zukunft blickt.

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Bild: Christine Schmid, privat

 

Wie würdest du deine Stelle beschreiben?

Ich sehe mich ein bisschen als „Mädchen für alles“. Ich kümmere mich um alles, was im Studiengang anfällt. Ich bin Ansprechpartnerin für die Studierenden, die Professoren und auch für die Kolleginnen und Kollegen.


In welcher Fakultät bist du tätig?

Ich arbeite in der Fakultät Wirtschaft und Gesundheit, genauer gesagt im Studiengang Wirtschaftsinformatik.


Gehören zu deinen fachlichen Aufgaben auch menschliche oder emotionale Aspekte, gerade im Kontakt mit den Studierenden?

Über die Jahre wachsen einem viele Studierende schon ans Herz. Zu manchen entwickelt sich ein engerer Kontakt, zu anderen weniger. Früher war das allerdings noch ausgeprägter. Damals kamen die Studierenden regelmäßig direkt zu uns ins Sekretariat. Seit es das zentrale Studierenden-Service-Center gibt, werden viele Anliegen dort bearbeitet. Zu mir kommen die Studierenden heute meist dann, wenn sie besondere Fragen oder Probleme haben oder wenn irgendwo etwas nicht funktioniert.


Kennst du die Studierenden trotzdem noch persönlich?

Nicht mehr alle. Früher war das anders, da kannte ich tatsächlich fast jeden. Heute begegnen wir uns häufig bei Klausuraufsichten. Dadurch verbindet man zumindest die Namen mit den Gesichtern. Insgesamt kennt man schon noch viele, aber längst nicht mehr alle.


Wie viele Studierende habt ihr derzeit in der Wirtschaftsinformatik?

Ich schätze, dass wir aktuell rund 300 Studierende haben.


Also zusammen Bachelor und Master?

Genau. Im Master ist das überschaubar, weil dort immer nur zwei Semester plus die Masterarbeiten betreut werden. Im Bachelor gibt es sieben Semester, wobei eines davon das Praxissemester ist. Außerdem nehmen wir Studierende nur einmal im Jahr auf. Deshalb haben wir immer nur einen sogenannten Halbzug: Die ungeraden Semester starten im Wintersemester, die geraden im Sommersemester.


Was gehört zu deinen Aufgaben?

Das hat sich im Laufe der Jahre verändert. Viele klassische Sekretariatsaufgaben wurden an das zentrale Studierenden-Service-Center übertragen. Früher haben wir beispielsweise Bescheinigungen und Zeugnisse selbst erstellt. Das übernimmt heute das Service-Center. Ich kümmere mich heute vor allem um alles, was direkt den Studiengang betrifft. Den Professoren nehme ich viel organisatorischen Aufwand ab und bereite zahlreiche Vorgänge vor, die sie anschließend entscheiden – etwa Anerkennungen von Prüfungsleistungen oder Anträge auf Zulassung in höhere Fachsemester. Ein weiterer großer Bereich ist die Fachstudienberatung.




Ich berate unsere eigenen Studierenden, wenn sich ihr Studienverlauf verändert, aber auch Studiengangswechsler oder Studierende, die von anderen Hochschulen oder Universitäten zu uns kommen.




Ich berate unsere eigenen Studierenden, wenn sich ihr Studienverlauf verändert, aber auch Studiengangswechsler oder Studierende, die von anderen Hochschulen oder Universitäten zu uns kommen. Gemeinsam schauen wir, welche Leistungen anerkannt werden können und wie ein sinnvoller weiterer Studienverlauf aussieht.


Dafür musst du die Studieninhalte ja ziemlich genau kennen.

Ja, das stimmt. Man muss das Curriculum gut kennen und einschätzen können, welche Inhalte vergleichbar sind. Das lernt man aber mit der Zeit. Am Anfang war das natürlich noch nicht so.


Hast du dich dafür auch schon einmal in Vorlesungen gesetzt?

Nein, tatsächlich noch nie.


Wie viele Professorinnen und Professoren betreust du aktuell?

Zurzeit sind es vier. Im Moment läuft aber eine Berufung, sodass wir hoffentlich bis zum nächsten Wintersemester wieder zu fünft sind.


Wie lange machst du diesen Job inzwischen?

Im September werden es zwölf Jahre, ich bin also von Anfang an bei der Wirtschaftsinformatik dabei.


In dieser Zeit hat sich an den Hochschulen viel verändert – Corona, Online-Lehre, schwankende Studierendenzahlen und neue Rahmenbedingungen. Hat sich das auch in eurem Studiengang bemerkbar gemacht?

Als ich vor zwölf Jahren angefangen habe, war der Studiengang noch ganz neu. Wirtschaftsinformatik war zuvor ein Schwerpunkt innerhalb der Fakultät Informatik und wurde dann als eigenständiger Studiengang in die Fakultät Wirtschaft und Gesundheit übernommen. Damals hatten wir viele Studierende, die aus der Informatik zu uns gewechselt sind. Danach kamen die Jahre, in denen die Hochschule insgesamt mehr als 6.000 Studierende hatte. Auch bei uns waren die Jahrgänge deutlich größer – teilweise wurden bis zu 80 Studierende pro Jahr aufgenommen. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass so große Gruppen nicht unbedingt ideal sind. Die Abbruchquote war damals höher.




Heute sind die Jahrgänge wieder kleiner, dafür schließen deutlich mehr Studierende ihr Studium erfolgreich ab.




Heute sind die Jahrgänge wieder kleiner, dafür schließen deutlich mehr Studierende ihr Studium erfolgreich ab.


Wie hoch ist die Abschlussquote ungefähr?

Das ist schwer zu sagen. Ich würde schätzen, dass insgesamt etwa zehn bis zwanzig Prozent ihr Studium nicht abschließen. Gleichzeitig ist das schwer zu berechnen, weil manche Studierende das Studium in sieben oder acht Semestern absolvieren, andere sich deutlich mehr Zeit lassen. Deshalb lässt sich ein Jahrgang nicht so einfach verfolgen.


Das heißt, ungefähr 80 bis 90 Prozent erreichen am Ende ihren Abschluss?

Das würde ich schätzen. Ganz sicher bin ich mir dabei aber nicht – im Schätzen war ich noch nie besonders gut.


Lohnt es sich, Wirtschaftsinformatik zu studieren?

Auf jeden Fall. Die Rückmeldungen unserer Alumni sind durchweg positiv. Sie haben sehr gute Jobs gefunden und sind mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden. Ich bin überzeugt, dass Wirtschaftsinformatik auch künftig ein sehr zukunftssicheres Berufsfeld bleibt. Gerade mit Blick auf Künstliche Intelligenz werden Fachleute gebraucht, die Systeme entwickeln, Daten aufbereiten und der KI vorgeben, was sie tun soll. Das ist keine Aufgabe, die von der KI selbst ersetzt werden kann. Deshalb bin ich überzeugt, dass Absolventinnen und Absolventen dieses Studiengangs auch künftig sehr gute Perspektiven haben.


Du hast über die Jahre viele junge Menschen kennengelernt. Die Generation Z wird oft kritisch gesehen. Wie erlebst du die Studierenden?

Wie überall gibt es auch hier ganz unterschiedliche Menschen. Es gibt Studierende, die glauben, mit der Einschreibung sei der Weg zum Traumjob und zu einem hohen Gehalt bereits geebnet. Dass man das Studium erfolgreich abschließen und sich das notwendige Wissen erarbeiten muss, um diese Chancen tatsächlich zu bekommen, ist nicht allen von Anfang an bewusst. Auf der anderen Seite erleben wir viele sehr motivierte, fleißige und sozial engagierte Studierende. Viele bringen sich aktiv ein und unterstützen andere. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, die junge Generation wolle nichts mehr leisten. Das entspricht überhaupt nicht meiner Erfahrung. Natürlich gibt es auch diejenigen, die wenig Einsatz zeigen – aber solche Menschen hat es schon immer gegeben.


Hat sich die Generation deiner Meinung nach verändert?

Eine Veränderung fällt uns tatsächlich auf: Die Konzentrationsfähigkeit scheint geringer geworden zu sein. Die heutige Generation ist mit Smartphones und inzwischen auch mit Künstlicher Intelligenz aufgewachsen. Viele greifen bei einem Problem sofort zu ChatGPT oder anderen KI-Anwendungen, statt zunächst selbst nach einer Lösung zu suchen. Das merkt man beispielsweise in Klausuren. Nach ungefähr einer Stunde lässt die Konzentration oft deutlich nach. Früher war das anders. Damals waren zweistündige Klausuren ganz selbstverständlich. Heute wäre das für viele vermutlich deutlich schwieriger.


Hat das Auswirkungen auf die Lehre?

Das kann ich nicht beurteilen, weil ich in die Lehre selbst nicht eingebunden bin. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich Lehrformate entsprechend weiterentwickeln.


Mit welchen Fragen kommen Studierende am häufigsten zu dir?

Oft geht es um den Studienverlauf, wenn Prüfungen nicht bestanden wurden und dadurch der ursprüngliche Plan nicht mehr funktioniert. Da wir unsere Lehrveranstaltungen nur einmal jährlich anbieten, müssen wir dann gemeinsam überlegen, wie sich das Studium sinnvoll fortsetzen lässt. Manche Fächer bauen aufeinander auf oder sind Voraussetzung für das Praxissemester. Dann braucht es manchmal individuelle Lösungen. Außerdem kommen Studierende mit Fragen zu Praktika, zum Auslandssemester oder zur Anerkennung von Leistungen. Manchmal suchen sie auch Unterstützung, wenn an anderer Stelle organisatorisch etwas nicht funktioniert. Insgesamt sind es aber überwiegend fachliche und organisatorische Fragen rund um den Studienverlauf.


Wie viele Studierende gehen ins Ausland?

Das sind eher wenige. Pro Jahr würde ich grob schätzen, dass zwischen einem und fünf Studierende entweder ihr Praxissemester oder ein Studiensemester im Ausland verbringen. Manche kombinieren sogar beides, aber insgesamt ist das noch die Ausnahme.


Das klingt angesichts einer globalen Arbeitswelt nach einer eher kleinen Zahl.

Ja, wobei es schon etwas mehr geworden ist. Wir haben viele Studierende aus der Region, die hier stark verwurzelt sind. Einer unserer Professoren hat immer scherzhaft gesagt, man müsse sie erst einmal von „Mamas Rockzipfel“ lösen. Wir empfehlen den Auslandsaufenthalt aber immer ausdrücklich. Unsere Erfahrung ist nämlich eindeutig: Alle, die im Ausland waren, sagen hinterher, dass es eine der besten Entscheidungen ihres Studiums war. Sie würden es jederzeit wieder machen und empfehlen es den jüngeren Studierenden weiter.


Was bringt ein Auslandsaufenthalt aus deiner Sicht?

Man merkt vor allem, wie sehr die Studierenden persönlich wachsen. Sie stehen plötzlich ein halbes Jahr auf eigenen Beinen, organisieren ihren Alltag selbst, leben in einer anderen Kultur und häufig auch in einer anderen Sprache. Das ist eine große Herausforderung.




Die meisten kommen deutlich reifer und selbstbewusster zurück.




Die meisten kommen deutlich reifer und selbstbewusster zurück. Wer erlebt hat, dass er das erfolgreich gemeistert hat, gewinnt automatisch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das stärkt die Persönlichkeit enorm. Ich habe erlebt, dass selbst sehr zurückhaltende Studierende nach einem Auslandsaufenthalt mit einem völlig neuen Auftreten zurückgekommen sind. Manche, denen man zu Beginn des Studiums niemals eine Tätigkeit im Consulting zugetraut hätte, sind später genau dort erfolgreich eingestiegen.


Verändert ein Auslandsaufenthalt die Menschen auch persönlich?

Ja, manchmal sogar sichtbar. Ich erinnere mich an einen Studenten, der mit langen Haaren und einem eher lässigen Auftreten ins Ausland gegangen ist. Ein halbes Jahr später kam er mit kurzen Haaren, Brille und einem ganz anderen, sehr souveränen Auftreten zurück. Solche Veränderungen erlebt man immer wieder.


Sollten mehr Studierende den Schritt ins Ausland wagen?

Auf jeden Fall. Gerade in einer global vernetzten Arbeitswelt ist internationale Erfahrung ein großer Vorteil. Viele Unternehmen schätzen es sehr, wenn Bewerberinnen und Bewerber einen Auslandsaufenthalt vorweisen können. Neben der persönlichen Entwicklung verbessert sich meist auch das Englisch ganz automatisch. Ich erinnere mich an einen Studenten, der sagte: „Englisch ist eigentlich nicht meine Stärke, aber ich möchte unbedingt ins Ausland.“ Er entschied sich bewusst gegen ein englischsprachiges Muttersprachlerland und absolvierte sein Praxissemester bei Bosch in Thailand. Dort sprach er im Arbeitsalltag ausschließlich Englisch. Im Nachhinein erzählte er, dass ihm das enorm geholfen habe. Weil auch seine Kolleginnen und Kollegen keine Muttersprachler waren, fiel die Hemmschwelle weg. Alle gaben ihr Bestes – und die Verständigung funktionierte hervorragend.


Die meisten Studierenden kommen aus der Region?

Ja, das ist tatsächlich so. Wirtschaftsinformatik wird inzwischen an vielen Hochschulen angeboten. Allein in Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit diesem Studiengang. Deshalb sind wir ein sehr regional geprägter Studiengang. Bei einer Erstsemesterbegrüßung haben wir einmal gefragt, wer von weiter als 60 Kilometern entfernt kommt. Das war damals schon fast die Ausnahme. Natürlich gibt es immer einzelne Studierende, die ganz bewusst nach Aalen kommen – etwa wegen der Forschungsstärke, des guten Rufs oder weil ihnen der Studiengang empfohlen wurde. Der Großteil kommt aber aus einem Umkreis von etwa 50 Kilometern.


Trotzdem entscheiden sich auch Studierende aus Städten mit anderen Hochschulen für Aalen.

Genau. Es kommen zum Beispiel Studierende aus Heidenheim oder Ulm, obwohl es dort ebenfalls attraktive Studienangebote gibt. Auch aus dem Remstal, also eher in Richtung Stuttgart, haben wir viele Studierende. Das freut uns natürlich.


Wie ist das Verhältnis von Frauen und Männern im Studiengang?

Lange Zeit lag das Verhältnis ungefähr bei 80 zu 20. Inzwischen hat sich das etwas verbessert und wir haben deutlich mehr Studentinnen als früher. Es gab Zeiten, in denen der Studiengang fast ausschließlich von Männern besucht wurde. Heute holen die Frauen Schritt für Schritt auf. Ich glaube, viele hatten früher Respekt vor dem Programmieren. Diese Sorge ist aber meist unbegründet. Die Studentinnen, die sich für Wirtschaftsinformatik entscheiden, kommen genauso gut durch das Studium wie ihre männlichen Kommilitonen.


Was zeichnet den Studiengang Wirtschaftsinformatik in Aalen besonders aus?

Ein großer Pluspunkt ist unser Team. Die Professoren, Mitarbeitenden und Doktoranden arbeiten sehr gut zusammen und verstehen sich hervorragend. Das schafft eine angenehme Atmosphäre. Besonders schön ist, dass einige unserer Doktoranden selbst früher bei uns studiert haben. Sie haben ihren Bachelor und Master in Aalen gemacht und promovieren nun ebenfalls hier. Das zeigt, dass engagierte Studierende bei uns sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten haben. Seit einigen Jahren verfügt die Hochschule außerdem über ein eigenes Promotionsrecht. Dadurch müssen Studierende für eine Promotion nicht mehr zwingend an eine Universität wechseln. Mit Professor Rössle haben wir einen sehr forschungsstarken Kollegen im Team, sodass inzwischen mehrere Nachwuchswissenschaftler ihre Promotion direkt in Aalen absolvieren.


Das heißt, man kann inzwischen den gesamten akademischen Weg in Aalen gehen?

Genau. Vom Bachelor über den Master bis hin zur Promotion ist heute alles an der Hochschule Aalen möglich. Das ist schon eine besondere Entwicklung.


Hast du auch nach dem Studium noch Kontakt zu ehemaligen Studierenden?

Ja, tatsächlich. Vor allem mit einigen aus unserem allerersten Jahrgang habe ich bis heute Kontakt. Manche kommen vorbei, wenn sie beruflich in der Nähe sind, und schauen auf einen Kaffee herein. Das ist immer schön. Vor zwei Jahren haben wir außerdem unser zehnjähriges Jubiläum gefeiert und viele Alumni eingeladen. Es war spannend zu hören, welche beruflichen Wege sie inzwischen eingeschlagen haben. Mit einigen bin ich auch über Xing vernetzt und bekomme mit, wo sie inzwischen arbeiten. Einer unserer ehemaligen Studierenden unterstützt mit seinem Unternehmen sogar regelmäßig Veranstaltungen an der Hochschule. Es freut mich sehr, dass der Kontakt zu vielen Alumni bestehen bleibt.


Ist es schön zu sehen, wie erfolgreich die ehemaligen Studierenden ihren Weg gehen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist schön mitzuerleben, wie sich das Wissen und die Erfahrungen aus dem Studium später im Berufsleben bewähren.


Welche Eigenschaften sollte jemand mitbringen, der deine Aufgabe übernimmt?

Man sollte auf jeden Fall gerne mit jungen Menschen zusammenarbeiten. Ansonsten gehören natürlich Organisationstalent und alles dazu, was in einem modernen Büroalltag wichtig ist.


Gerade beginnen die Semesterferien. Ist das für dich eine ruhige Zeit?

Nicht wirklich. Im Moment läuft noch der Prüfungszeitraum. Ab nächster Woche beginnt zwar die vorlesungsfreie Zeit, aber das bedeutet keineswegs, dass bei uns nichts mehr zu tun ist. Viele denken, wir hätten dann frei. Tatsächlich haben wir – wie alle anderen Beschäftigten auch – ganz normal 30 Urlaubstage im Jahr. In der vorlesungsfreien Zeit laufen bereits die Vorbereitungen für das nächste Semester auf Hochtouren. Wir erstellen den Vorlesungsplan, organisieren zahlreiche Termine, koordinieren die Notenabgabe der Dozierenden und bereiten die Notenveröffentlichung vor. Gleichzeitig kommen viele Studiengangswechsler zur Fachstudienberatung. Wer in ein höheres Semester einsteigen möchte, benötigt eine Beratung und eine entsprechende Bescheinigung für die Bewerbung. Außerdem prüfen wir Anträge auf Anerkennung von Studienleistungen vor und bereiten sie für den zuständigen Prüfungsausschuss vor. Langweilig wird es bei uns eigentlich nie.


Gibt es im Jahresverlauf Zeiten, in denen weniger zu tun ist?

Ich warte ehrlich gesagt immer darauf, dass es einmal ruhiger wird – aber diese Phase gibt es eigentlich nicht. Gerade laufen zum Beispiel schon die Vorbereitungen für das nächste Semester. Vor jedem Semester werden die Modulhandbücher überarbeitet. Wenn sich Dozierende ändern oder Inhalte beziehungsweise Prüfungsformen angepasst werden, müssen alle Änderungen eingearbeitet werden. Anschließend gehen sie, sofern erforderlich, in den Prüfungsausschuss, der darüber entscheidet. Es ist also sehr viel organisatorische Vorarbeit und Bürokratie, die im Hintergrund erledigt werden muss.


Wie viele Erstsemester erwartet ihr im kommenden Wintersemester?

Das lässt sich inzwischen schwieriger einschätzen als früher. Seit wir am neuen Zulassungsverfahren teilnehmen, können sich Studieninteressierte bis Anfang Oktober einschreiben. Früher endete die Bewerbungsfrist Mitte Juli, sodass wir deutlich früher wussten, wie groß der neue Jahrgang wird. Im Moment würde ich schätzen, dass wir zwischen 50 und 60 neue Studierende begrüßen werden.


Wenn du auf die vergangenen zwölf Jahre zurückblickst – welche Erinnerungen sind dir besonders geblieben?

Es gab viele schöne Erlebnisse. Besonders gerne denke ich an eine Exkursion nach London zurück, bei der ich einige Studierende begleiten durfte. Dort erlebt man die jungen Leute noch einmal ganz anders als im Hochschulalltag. Auch die Rückkehr der Studierenden aus ihren Auslandsaufenthalten beeindruckt mich jedes Mal. Viele kommen wie veränderte Menschen zurück – reifer, selbstbewusster und mit ganz neuen Erfahrungen. Ein weiterer besonderer Moment war unser zehnjähriges Jubiläum. Viele Alumni sind damals zurückgekommen. Es war spannend zu hören, welche Wege sie inzwischen gegangen sind und welche Karrieren sich entwickelt haben.


Fühlst du dich ein Stück weit als Teil dieser Erfolgsgeschichten?

Nein, so würde ich das nicht sehen. Ich freue mich einfach für die ehemaligen Studierenden. Aber manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, so etwas wie die „Mutter der Kompanie“ zu sein.




Aber manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, so etwas wie die „Mutter der Kompanie“ zu sein.




Mir ist wichtig, dass sich die Studierenden untereinander vernetzen und dass im Studiengang ein familiäres Miteinander entsteht. Vor einigen Wochen haben wir beispielsweise spontan gemeinsam gegrillt. Jeder hat etwas mitgebracht, wir haben zusammengesessen, gegessen und uns unterhalten. Solche Begegnungen stärken den Zusammenhalt.


Wie viele kommen zu solchen freiwilligen Aktionen?

Das ist unterschiedlich, weil natürlich nie alle gleichzeitig Zeit haben. Wenn 20 oder 30 Studierende kommen, finde ich das schon ein sehr schönes Zeichen. Es zeigt, dass Interesse an Gemeinschaft und Austausch besteht.


Gab es in den vergangenen Jahren auch Momente, die dir besonders nahegegangen sind?

Ja. Traurig ist es immer, wenn Studierende ihr Studium nicht abschließen können. Gerade bei denen, die schon weit gekommen sind, fiebert man oft mit und hofft, dass sie es doch noch schaffen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Studentin, deren Mutter schwer erkrankte. Sie kümmerte sich intensiv um sie und konnte ihr Studium deshalb nicht beenden. Wir hatten immer gehofft, dass sie später noch einmal zurückkehrt und den Abschluss nachholt, aber dazu hat ihr letztlich die Kraft gefehlt. Solche persönlichen Schicksale gehen einem schon nahe.


Wie wichtig ist es, dass ein Hochschulabschluss auch anspruchsvoll bleibt?

Ich finde schon, dass ein Abschluss seinen Wert behalten muss. Wir tragen schließlich auch Verantwortung gegenüber den Unternehmen, die unsere Absolventinnen und Absolventen einstellen. Sie dürfen erwarten, dass diese ihr Fach beherrschen. Wenn man alle einfach durchwinken würde, wäre das weder gegenüber den Arbeitgebern noch gegenüber den Studierenden fair, die viel Zeit und Engagement in ihr Studium investieren. Deshalb sollten diejenigen einen Abschluss erhalten, die die fachlichen Anforderungen erfüllen und sich ernsthaft mit ihrem Studium auseinandersetzen.


Welche Studierenden bleiben dir besonders positiv in Erinnerung?

Oft sind das diejenigen, die sich nicht nur fachlich engagieren, sondern sich auch für andere einsetzen. Viele sehr gute Studierende übernehmen zusätzlich Verantwortung – zum Beispiel als Tutorinnen und Tutoren, Mentorinnen und Mentoren für Erstsemester oder als Semestersprecher. Sie möchten, dass sich andere gut zurechtfinden und der Studiengang als Gemeinschaft funktioniert. Dieses Engagement beeindruckt mich immer wieder.


Zum Abschluss: Warum sollten sich junge Menschen für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Aalen entscheiden?

Ich glaube, ein großer Pluspunkt ist das gute Miteinander. Die Zusammenarbeit im Team funktioniert hervorragend und dieses positive Klima überträgt sich auch auf die Studierenden. Es geht nicht gegeneinander, sondern miteinander. Hinzu kommt die Forschungsstärke der Hochschule. Sie gehört seit Jahren zu den forschungsstärksten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg und zählt auch deutschlandweit zu den Spitzenreitern. Davon profitieren unsere Studierenden unmittelbar. Auch die Infrastruktur spricht für Aalen. Wir haben moderne Gebäude, eine sehr gute Ausstattung und einen schönen Campus im Grünen. Das schafft eine angenehme Atmosphäre zum Lernen und Arbeiten. Und schließlich finde ich auch Aalen als Studienort sehr attraktiv. Die Stadt bietet eine lebendige Gastronomie, kurze Wege und ist gleichzeitig deutlich überschaubarer und oft auch günstiger als große Universitätsstädte. Viele Studierende schätzen genau diese persönliche Atmosphäre. Man kennt sich, unterstützt sich gegenseitig und oft entstehen hier Freundschaften, die weit über das Studium hinaus bestehen bleiben.


Vielen Dank für das tolle Gespräch.

Sehr gerne!

Sonja Krauß Logo RZ rot_X.png
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