
MAA spricht mit Frank Metz
Wenn Menschen sparen – aber nicht am Tier: Frank Metz über die Idee hinter der Tiertafel Ostalb
Was passiert, wenn Menschen ihr Tier nicht mehr versorgen können – und trotzdem alles dafür tun würden? Dank Frank Metz und vielen weiteren gerade mit der Tiertafel Ostalb ein Projekt, das genau an diesem Punkt ansetzt. Im Interview erzählt Frank, dass er und alle Beteiligten nicht lange diskutiert haben, sondern angefangen haben zu handeln. Ein Gespräch über Verantwortung, Realität – und darüber, warum echte Hilfe oft viel näher beginnt, als man denkt.
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Bild: Frank Metz, privat
Frank, die Tiertafel in Aalen steht kurz vor dem Start. Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Was genau wird dort passieren – und für wen ist das gedacht?
Die Tiertafel ist für Menschen gedacht, die finanziell an einem Punkt sind, an dem sie ihr Tier nicht mehr so versorgen können, wie sie es eigentlich möchten. Mir ist ganz wichtig, dass man das richtig versteht: Es geht hier nicht um Menschen, die sich keine Gedanken machen – sondern um Menschen, die alles geben und bei denen es trotzdem irgendwann nicht mehr reicht.
Die Idee ist bei uns im Team entstanden, nicht bei mir alleine. Wir haben im Verein immer mehr Futterspenden angeboten bekommen, ursprünglich gedacht für unser Projekt im Ausland. Aber irgendwann haben wir gemerkt: Der Transport dorthin ist einfach zu teuer und macht keinen Sinn. Gleichzeitig wurde das Futter hier immer mehr – und dann haben wir uns gemeinsam die Frage gestellt: Was machen wir jetzt damit?
Und dann kam genau dieser Gedanke: Warum geben wir das nicht den Menschen hier vor Ort, die es brauchen? Daraus ist die Tiertafel entstanden. Nicht als großes Konzept, sondern wirklich aus einer Situation heraus, die wir gemeinsam gelöst haben.
Was mich extrem freut, ist, wie schnell sich das Ganze entwickelt hat. Es sind sofort Leute aufgesprungen, Firmen haben gesagt, sie unterstützen uns, Privatpersonen bringen Spenden vorbei. Und wir als Team versuchen, das alles so zu organisieren, dass es wirklich funktioniert. Wir haben Lager organisiert, wir haben einen Fahrdienst aufgestellt, damit auch Menschen ohne Auto versorgt werden können. Und das Ganze ist nicht nur für Aalen gedacht, sondern für die gesamte Region.
Du hilfst Menschen über ihre Tiere – nicht direkt. Warum genau dieser Weg und nicht ein anderer?
Für mich hat sich das ehrlich gesagt einfach ergeben. Wir hatten das Futter, wir hatten die Möglichkeiten – und wir wussten, dass es Menschen gibt, die genau das brauchen. Das ist kein strategischer Plan gewesen, sondern eher gesunder Menschenverstand.
"Es gibt Menschen, die nicht wissen wie sie das nächste Futter bezahlen sollen"
Ich habe mir irgendwann gedacht: Was passiert denn sonst mit den Spenden? Im Zweifel werden sie weggeschmissen oder nicht sinnvoll genutzt. Und gleichzeitig gibt es Menschen, die nicht wissen, wie sie das nächste Futter bezahlen sollen. Das passt für mich einfach nicht zusammen.
Und im Team haben wir das genauso gesehen. Wir haben gesagt: Dann machen wir das jetzt. Dann bauen wir etwas auf, das genau diese Lücke schließt. Es gibt Tafeln für Menschen – und das ist auch richtig so. Aber das Thema Tiere wird oft vergessen, obwohl es für viele genauso wichtig ist.
Wir wollten aber bewusst unser eigenes Ding machen. Nicht schauen, wie andere das genau machen, sondern überlegen: Was funktioniert hier bei uns? Was können wir leisten? Und wie setzen wir das gemeinsam um?
Viele unterschätzen, wie emotional das Thema ist. Was passiert mit Menschen, wenn sie merken, dass sie ihr Tier nicht mehr versorgen können?
Das ist ein Punkt, der mich persönlich extrem bewegt. Viele sehen nur das Tier – aber nicht den Menschen dahinter. Und gerade bei älteren Menschen oder Menschen, die alleine sind, ist das Tier oft alles.
Ich erlebe das immer wieder: Das Tier ist Gesprächspartner, Tagesstruktur, manchmal der einzige Grund, überhaupt rauszugehen. Und wenn du dann an den Punkt kommst, an dem du merkst, du kannst dieses Tier nicht mehr versorgen, dann bricht da richtig was weg.
Das Problem sind ja nicht nur die Futterkosten. Es ist das Gesamtpaket. Tierarzt, laufende Kosten, alles wird teurer. Und irgendwann kommst du in eine Situation, in der du Entscheidungen treffen musst, die du eigentlich gar nicht treffen willst.
Und genau da setzen wir als Team an. Wir können nicht alles lösen, das ist klar. Aber wenn wir es schaffen, dass jemand sein Tier behalten kann, weil wir unterstützen – dann ist das für mich ein riesiger Unterschied.
Du hättest auch einfach sagen können: „Das ist nicht mein Problem.“ Warum hast du es trotzdem zu deinem gemacht?
Ich glaube, das ist gar keine bewusste Entscheidung gewesen. Für mich war das eher so: Ich habe gesehen, dass da ein Problem ist – und dass wir etwas dagegen tun können.
Tiere haben in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Meine Frau und ich, wir sind da komplett drin. Unser Verein, die Projekte, das ist nichts, was mal eben entstanden ist. Und wenn du dich in diesem Umfeld bewegst, dann siehst du einfach Dinge, die nicht gut laufen.
"Entweder ich schaue weiter zu – oder ich mache was"
Und dann kommt irgendwann dieser Punkt, an dem du sagst: Entweder ich schaue weiter zu – oder ich mache was. Und für uns im Team war relativ schnell klar, dass wir machen wollen.
Mir ist aber wichtig zu sagen: Das ist nicht „mein“ Projekt. Das ist ein Teamprojekt. Ohne die Leute im Verein, ohne die Unterstützung von außen, würde das gar nicht funktionieren. Ich bin vielleicht einer, der es nach außen trägt – aber umgesetzt wird das von vielen.
Du hast nicht nur die Idee – du setzt sie auch um. Was treibt dich an, Dinge wirklich ins Leben zu bringen, statt nur darüber zu reden?
Ich war schon immer so, dass ich gesagt habe: Wenn wir eine Idee haben, dann probieren wir sie aus. Nicht lange drüber reden, nicht zerdenken – einfach machen.
Das heißt nicht, dass immer alles funktioniert. Aber ich glaube, viele Dinge scheitern gar nicht daran, dass sie schlecht sind, sondern daran, dass sie nie umgesetzt werden.
Bei uns im Team ist das ähnlich. Wir sprechen Dinge durch, klar. Aber dann gehen wir ins Tun. Ein Beispiel war unser Weihnachtsmarkt im Garten, komplett auf Spendenbasis. Das war auch so eine Idee, wo man sagen könnte: Funktioniert das überhaupt? Aber wir haben es einfach gemacht – und es war ein riesiger Erfolg.
Und genauso ist es jetzt bei der Tiertafel. Der Aufwand ist größer, als wir am Anfang gedacht haben. Das muss man ehrlich sagen. Aber genau das gehört dazu. Und wenn du dann siehst, dass Leute aufspringen, dass es wächst, dass es angenommen wird – dann weißt du, dass es richtig ist.
Ganz nüchtern: Wo steht ihr gerade wirklich – und woran kann das Projekt noch scheitern?
Stand jetzt sind wir gut aufgestellt. Wir haben Strukturen, wir haben Spenden, wir haben ein Team, das dahintersteht. Es läuft an.
Ich sehe im Moment nicht, dass es klassisch „scheitern“ kann, weil einfach zu viele Leute dahinterstehen und mitziehen. Aber was natürlich entscheidend ist: Es muss auch genutzt werden.
Wir können alles aufbauen – wenn die Menschen, die es brauchen, nichts davon wissen, bringt es nichts. Deshalb ist gerade ein großer Fokus darauf, das Ganze bekannt zu machen.
Und klar, wir sind auf Unterstützung angewiesen. Ohne Spenden, ohne Helfer, ohne Engagement funktioniert so ein Projekt nicht. Aber genau da erleben wir gerade, dass viele bereit sind, ihren Teil beizutragen.
Wenn jemand das liest und denkt „Ich will helfen“ – was bringt euch gerade am meisten: Geld, Futter oder Zeit?
Aktuell ganz klar: Zeit. Menschen, die mit anpacken, sind im Moment das Wichtigste.
Futter haben wir da, das kommt rein. Geld ist auch wichtig, keine Frage. Aber das Ganze muss organisiert werden. Es muss abgeholt werden, verteilt werden, koordiniert werden.
Und genau da brauchen wir Leute, die sagen: Ich helfe mit. Ich fahre, ich unterstütze, ich bringe mich ein.
Das ist auch das, was mich am meisten beeindruckt gerade: Wie viele Menschen bereit sind, genau das zu tun. Da sind Leute dabei, die sagen, sie fahren Strecken, die hätte ich niemals erwartet. Und genau daraus entsteht dieses Projekt.
Gibt es noch etwas, was die Leser erfahren sollten?
Mir ist ein Punkt ganz wichtig: Wir arbeiten bewusst mit Vertrauen. Wir verlangen keinen Nachweis, ob jemand bedürftig ist. Wir glauben daran, dass die Menschen ehrlich sind.
Wenn jemand zu uns kommt und sagt, er braucht Hilfe, dann gehen wir davon aus, dass das so ist. Ich glaube, alles andere würde auch eine Hürde schaffen, die viele davon abhält, überhaupt Hilfe anzunehmen.
Und gleichzeitig geht es jetzt darum, dass die Leute überhaupt davon erfahren. Viele, die es brauchen, wissen gar nicht, dass es sowas gibt. Deshalb versuchen wir als Team, das Ganze so breit wie möglich bekannt zu machen.
Am Ende ist es eigentlich ganz einfach: Wir haben angefangen. Und jetzt wächst es, weil viele mitmachen. Und genau so soll es auch weitergehen.











