
MAA spricht mit Gabi Briel
"Keine Ahnung wie ich´s bezahlen soll - aber ich kaufe es" - Gabi B. über ihre Traum-Verwirklichung: ein Haus in Italien
Was passiert, wenn man einen Traum über Jahre nicht aufgibt – obwohl man selbst keine Ahnung hat, wie er jemals Wirklichkeit werden soll? Gabi hat sich genau diese Frage nie stellen lassen. Aus einer Sehnsucht, die bei Besuchen in Ligurien entstand, wurde über viele Jahre eine feste innere Überzeugung. Heute besitzt sie dort ein altes Steinhaus, das sie gemeinsam mit ihrer Familie renoviert hat. Im Interview erzählt sie, warum Vorstellungskraft für sie mehr ist als positives Denken, weshalb sie nie gezweifelt hat und warum sich manchmal genau dann Türen öffnen, wenn man aufhört, nur auf Hindernisse zu schauen.
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Bild: Gabriele Briel, privat
Gabi, du hast dir in Italien einen zweiten Lebensmittelpunkt geschaffen – etwas, wovon viele sprechen, aber nur wenige wirklich umsetzen. Wie ist dieser Traum entstanden?
Tja, ich glaube jeder Mensch hat einen Lebenstraum. Für mich entstand dieser zunächst unmöglich realisierbare Traum nachdem ich jahrelang immer im Frühjahr bei einer Freundin in ihrem Haus in Ligurien war. Sie hatte dieses Haus schon ca 30 Jahre und ich habe mitbekommen, wie sehr das der Rückzugsort für ihre ganze Familie wurde. Ligurien ist im Vergleich zu Süditalien wesentlich ursprünglicher, ein bisschen ist es immer als würde man die Zeit zurückdrehen. Wir saßen immer stundenlang auf Erikas Dachterrasse. Und das wollte ich auch: ein Steinhaus ohne Garten und mit einer sonnigen Dachterrasse.
Als dieser Traum konkreter wurde, stand wahrscheinlich auch schnell die Frage im Raum: „Wie soll das überhaupt gehen?“ Du wusstest ja anfangs selbst nicht genau, wie sich so ein Haus finanziell realisieren lässt. Wie hast du diese Phase erlebt – zwischen Sehnsucht und Realität?
Ganz ehrlich, dieser Traum wurde über ein Jahrzehnt lang nie konkret. Ich hatte beruflich weder die Zeit und schon gleich gar nicht die finanziellen Mittel mir in Italien ein Haus zu kaufen. Aber eines habe ich konsequent gemacht: Ich mache seit vielen Jahren konsequent Mentaltraining. Und dabei hatte ich immer und immer wieder dieselbe Affirmation: nämlich dass ich auf einer halb-überdachten Dachterrasse stehe und meine Töchter mich beglückwünschen und zu mir sagen: Mama, jetzt hast du es geschafft, du hast dir deinen Traum erfüllt...
"Ich habe keine Ahnung wie ich das bezahlen soll, aber ich kaufe das Haus"
Das hat sich bei mir dann so sehr eingeprägt, dass es ganz still und leise immer glaubhafter für mich wurde. Im Frühjahr 2022 hatte ich so eine Art Intuition dass es in diesem Jahr wahr werden wird. Nicht kann, sondern wird. Und dann kam - ohne dass ich etwas gesucht hätte - Zufall an Zufall aneinandergereiht. Einer dieser Zufall hat mich mit Freundinnen dann zu meinem Haus geführt. Montalto Ligure ist ein altes Bergdorf, 15 Minuten vom Meer weg. Das Haus wurde ca. 1600 gebaut, ein Steinhaus. Ich war da also mit Freundinnen, es war dunkel im Ort, dunkel im Haus, es roch nach langem "Unbewohntsein". Nichts was man sofort kaufen würde. Viele hohe Stufen, sowieso also nichts fürs Alter. Und dann, ich weiß es noch wie heute, kam ich die letzte Stufe zur Dachterrasse hoch. Und in dem Moment habe ich gekauft. Ich bin sogar jetzt gerade wieder ganz gerührt, wenn ich an dieses unbeschreibliche Gefühl denke. Da war sie, die halbüberdachte Dachterrasse, exakt und genau so wie ich es mir jahrelang vorgestellt hatte. Ich sagte zu meinen Freundinnen, wir können wieder gehen. Sie meinten, na, so schlecht ist es aber nun auch wieder nicht. Ich kaufe, sagte ich und sah in vollkommen verständnislose Gesichter. Ich hatte ja praktisch noch überhaupt nichts gesehen vom Haus. Macht nichts, sagte ich, ich kaufe. Und dann bin ich zurück zu Erikas Haus, habe das Telefon in die Hand genommen, habe den Mann angerufen, über den ich von dem Haus gehört hatte und sagte wortwörtlich: ich habe keine Ahnung wie ich das bezahlen soll, aber ich kaufe das Haus. Tja, das wars. Am 8.8.2022 um 18 Uhr habe ich bei einer Notarin in Imperia unterschrieben und hatte alles bezahlt, ohne Bank. Meine unendliche Vorstellungskraft hat auch das möglich gemacht.
Du bist selbstständig und hast gleichzeitig ein Haus in Italien gekauft und renoviert. Viele würden sagen: Das klingt eher nach Risiko als nach Plan. Welche Türen haben sich auf diesem Weg geöffnet und wie hast du gelernt, Selbstständigkeit und diesen Lebenstraum miteinander zu verbinden?
Ich hatte einfach Glück. Ich habe die Sprache gelernt und konnte in dem kleinen Bergdorf schnell Kontakte knüpfen. Dort hilft man sich aus - und so war es eigentlich ganz einfach. Natürlich, es war alles mit viel Arbeit verbunden - und fertig ist es noch lange nicht. Wir haben wirklich alles selbst verputzt und gestrichen und nur für die schweren Arbeiten oder neue Sanitärinstallationen musste ich Hilfe holen. Das Bad zu erneuern war das schwierigste, denn mit nur einem mobilen Camping-WC lebt es sich nicht gerade komfortabel. Aber auch das ging und nun haben wir ein so wunderschönes Bad mit einer von Hand freigelegten Natursteinwand. Du fragst wie es mit der Zeit und unserem Geschäft funktioniert hat? Meine Töchter und ihre Männer haben viel mitrenoviert - und mir gleichzeitig aber vor allem den Rücken freigehalten. Wir haben zusammengehalten und dafür bin ich unendlich dankbar
Gab es Momente, in denen du gezweifelt hast oder dachtest: Vielleicht ist das doch zu groß, zu teuer oder zu unrealistisch? Und was hat dir geholfen, trotzdem weiterzugehen?
Nein, das gab es nie. Generell bin ich jemand der nicht zweifelt und ich weiß auch dass es immer einen Weg gibt.
Heute verbringst du bereits viel Zeit in Italien und möchtest dort langfristig einen großen Teil deines Lebens verbringen. Wenn du heute zurückblickst – was bedeutet dir dieser Schritt emotional und persönlich?
Das stimmt nicht ganz. Mein Lebensmittelpunkt wird für immer dort sein, wo meine Familie ist. Das Haus in Italien ist ein Rückzugsort, um Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Für uns alle.
Zum Abschluss: Was würdest du Menschen sagen, die selbst einen vielleicht „verrückten“ Traum haben – etwas, das sich momentan noch weit weg von ihrer Realität anfühlt und wo sie noch gar nicht wissen, wie es überhaupt möglich werden soll?
Für mich war dieses Haus bis 2022 wirklich nur ein Traum. Unrealistisch in jeder Hinsicht. Meine persönliche Erfahrung ist ganz einfach: in dem Moment wo sich etwas in die Gedanken einpflanzt, beginnt es sich zu realisieren. Egal was das ist. Manchmal sind das ganz kleine Intuitionen - und ich habe dank meinem Mentaltraining gelernt, dann auch hinzuhören. Mit so einer klitzekleinen Intuition haben meine Tochter Katharina und ich 2018 auch Unikat Living gegründet. Da könnte ich jetzt zig Beispiele aufzählen .... Zwischenzeitlich glaube ich sogar dass es dazu gar kein Mentaltraining braucht, nur das Bewusstsein. Und das tragen wir alle in uns.










