
MAA spricht mit Ali Karami und Robert Chiulli
Zwei Gründer, ein Ziel: Mit KI und Unternehmergeist neue Wege gehen
Ali und Robert haben sich an der Hochschule Aalen kennengelernt und früh entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen. Im Gespräch erzählen sie, warum Freiheit für sie mehr mit Verantwortung als mit Bequemlichkeit zu tun hat, weshalb sie vom Influencer-Marketing in die KI-Automatisierung gewechselt sind – und warum sie in Deutschland und der Region große Chancen sehen.
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Foto: privat
Ali, Robert, ihr seid junge Unternehmer – was hat euch motiviert, diesen Weg einzuschlagen?
Robert: Der erste Beweggrund war wahrscheinlich Freiheit. Dinge so umsetzen zu können, wie man sie selbst im Kopf hat, ohne einen Chef über sich zu haben. Und auch zu testen, wie viel durch eigene Kraft möglich ist – das war eine große Motivation.
Ali: Bei mir war Freiheit ebenfalls ein wichtiger Punkt. Aber vor allem die Überzeugung, dass wir Menschen oft viel mehr schaffen können, als wir denken. Wir können uns Wissen aneignen und daraus etwas aufbauen, das anderen hilft und echten Mehrwert schafft. Deshalb wollten wir unseren eigenen Weg gehen und schauen, was möglich ist.
Ihr kommt beide von der Hochschule Aalen. Was habt ihr studiert?
Ali: Ich habe Informatik mit Schwerpunkt Software Engineering studiert, und Robert hat Wirtschaftsinformatik studiert – ebenfalls an der Hochschule Aalen.
Habt ihr euch dort kennengelernt oder war das eher Zufall?
Robert: Es gab tatsächlich mehrere Überschneidungen. Wir haben uns unter anderem bei der Prüfungsvorbereitung in der Bibliothek getroffen. Ali war damals schon weiter im Studium – ich glaube im sechsten oder siebten Semester, als ich angefangen habe. Später hat sich auch unser privater Freundeskreis überschnitten. Man könnte sagen: Das Schicksal wollte, dass wir uns kennenlernen.
Ihr habt beide von Freiheit gesprochen. Wie versteht ihr diesen Begriff konkret?
Für uns bedeutet Freiheit nicht, einfach auszuschlafen oder weniger zu arbeiten. Es geht darum, das zu tun, was man für richtig hält – bewusst Entscheidungen zu treffen und nicht einfach nur Tag für Tag etwas abzuarbeiten, ohne darüber nachzudenken. Ein großer Vorteil der Selbstständigkeit ist, dass man seinen Tag selbst gestalten kann – ähnlich wie im Studium. Das bringt Risiken mit sich, aber auch viel Potenzial. Man kann sich den Alltag so organisieren, dass er besser zum eigenen Rhythmus passt. Zum Beispiel Dinge zu Zeiten erledigen, wenn es ruhiger ist. Diese Flexibilität kann den Alltag deutlich entspannter machen. Gleichzeitig darf man nicht vergessen: Unternehmertum bringt auch Herausforderungen mit sich.
Welche Gefahren oder Herausforderungen habt ihr auf eurem Weg erlebt?
Eine große Herausforderung ist die finanzielle Unsicherheit – vor allem, wenn man keine zusätzliche Einnahmequelle hat.
Eine große Herausforderung ist die finanzielle Unsicherheit – vor allem, wenn man keine zusätzliche Einnahmequelle hat.
Man muss lernen, Rücklagen zu bilden und vorausschauend zu planen. Auch die Wahl der richtigen Partner spielt eine wichtige Rolle: Steuerberater, Bank – das sind Themen, die man am Anfang vielleicht unterschätzt. Fehler können einen hier schnell zurückwerfen.
Robert, du bist direkt in die Selbstständigkeit gegangen. Wie war dein Weg dahin?
Robert: Ich habe vor dem Studium eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht und anschließend etwa neun Monate im Projektmanagement gearbeitet. Ich kenne also auch das Angestelltenverhältnis. Während des Studiums habe ich mich dann selbstständig gemacht und bin diesen Weg weitergegangen.
Hat dich die Zeit als Angestellter geprägt?
Robert: Ja, auf jeden Fall. Sie war ein wichtiger Impuls für mich, noch einmal zu studieren. In der Branche, in der ich gearbeitet habe, waren die Aufstiegsmöglichkeiten mit einer Ausbildung begrenzt. Das hat mich frustriert, weil ich gemerkt habe: Egal wie sehr man sich anstrengt, man stößt an eine Grenze. Deshalb wollte ich neue Wege gehen – und so hat sich das während des Studiums entwickelt.
Ali, bei dir war der Weg etwas anders. Du bist parallel angestellt und selbstständig tätig. Wie kam es dazu?
Ali: Ich habe als Werkstudent gearbeitet und bin nach dem Studium in dem Unternehmen geblieben. Parallel dazu haben Robert und ich gemeinsam unsere Firma aufgebaut. Ich habe also gewissermaßen zwei berufliche Wege gleichzeitig. Währenddessen haben wir uns viel ausgetauscht, Ideen entwickelt und geschaut, wie wir Prozesse mit Software effizienter gestalten können. Daraus ist dann unsere gemeinsame Gründung entstanden.
Ist es schwierig, wenn einer voll selbstständig ist und der andere noch angestellt?
Robert: Ich komme mit Druck ganz gut klar. Wir stimmen uns immer ab und finden Lösungen, mit denen wir beide einverstanden sind. Zeitlich organisieren wir das flexibel.
Ali: Bei mir beginnt die Arbeit oft nach dem regulären Job und geht auch mal bis spät in die Nacht.
Robert, du hast vorhin von „Fettnäpfchen“ gesprochen. Kannst du ein Beispiel nennen?
Robert: Ein wichtiger Punkt ist die Wahl der Bank. Ich würde empfehlen, eine Bank mit persönlichem Ansprechpartner zu wählen. Ich hatte mein Geschäftskonto damals bei einer reinen Onlinebank. Durch internationale Einnahmen kamen irgendwann Rückfragen. Ich habe alles transparent erklärt – mit Verträgen und Rechnungen. Trotzdem wurde das Konto von einem Tag auf den anderen gesperrt, ohne Vorwarnung. Das Konto war etwa eineinhalb Monate blockiert. In dieser Zeit musste ich alle Ausgaben privat stemmen, auch Dinge wie Steuerrücklagen waren eingefroren. Das war ein zäher Prozess und hat das Geschäft deutlich ausgebremst. Eine Erfahrung, die man sich wirklich sparen kann.
Wie habt ihr daraus gelernt – gerade beim Thema Banking?
Robert: Heute sind wir bei klassischen regionalen Banken. Zusätzlich nutze ich zwar noch ein Onlinekonto für einfache Zahlungen, aber das ist eher ergänzend. Der große Vorteil bei einer regionalen Bank ist der persönliche Ansprechpartner. Wenn es Rückfragen gibt, wird man angerufen und kann Dinge direkt klären. Das gibt Sicherheit – auch wenn es etwas teurer ist.
Und wie sieht es beim Steuerberater aus?
Robert: Inzwischen arbeiten wir mit einem lokalen Steuerberater zusammen. Der ist zwar nicht günstig, aber dafür zuverlässig. Davor hatte ich einen Berater aus Norddeutschland, den ich über Social Media gefunden hatte. Anfangs lief alles gut, aber bei schwierigeren Fragen wurde ich eher im Stich gelassen. Die Antworten waren oft sehr vorsichtig formuliert, sodass keine klare Verantwortung übernommen wurde. Das hat mir gezeigt, wie wichtig Vertrauen ist. Ein Steuerberater sollte nicht nur verwalten, sondern auch wirklich beraten.
Euer Fazit: Gerade bei Finanzen lieber persönlich und regional?
Robert: Ja, auf jeden Fall. Es macht einen großen Unterschied, ob man jemanden direkt ansprechen kann.
Ali: Auch ich habe daraus gelernt – obwohl ich damals noch kein eigenes Gewerbe hatte. Aber solche Erfahrungen prägen.
Wie habt ihr euer Unternehmen heute aufgestellt?
Robert: Wir haben gemeinsam eine GbR gegründet. Im Prinzip sind das zwei Einzelunternehmen, die sich zusammengeschlossen haben. Da wir im Dienstleistungsbereich tätig sind, reicht diese Rechtsform für uns aktuell aus. Wenn wir stärker kapitalintensiv arbeiten würden, wäre eine GmbH sinnvoller. Gegründet haben wir in Schwäbisch Gmünd.
Viele schrecken vor einer Gründung zurück. War das bei euch kompliziert?
Eigentlich nicht. Eine GbR zu gründen ist vergleichsweise unkompliziert.
Eine GbR zu gründen ist vergleichsweise unkompliziert.
Im Grunde reicht eine Anmeldung beim Finanzamt. Man muss nicht gleich den nächsten großen Schritt planen – wichtig ist, überhaupt anzufangen.
Ihr habt auch internationale Kunden, vor allem in den USA. Wie seid ihr an diese Projekte gekommen?
Das hat tatsächlich über Social Media angefangen. Wir haben gezielt jemanden angeschrieben, der in diesem Bereich aktiv war. Daraus sind Gespräche und erste Projekte entstanden. Damals waren wir noch im Social-Media-Bereich unterwegs.
Was genau habt ihr im Social Media Bereich gemacht?
Wir haben uns darauf spezialisiert, Influencer aufzubauen – man könnte sagen, wir hatten eine Art „Influencer-Schmiede“. Wir haben Menschen dabei geholfen, Reichweite aufzubauen und ihre Inhalte strategisch zu entwickeln.
Wir haben Menschen dabei geholfen, Reichweite aufzubauen und ihre Inhalte strategisch zu entwickeln.
Da viele am Anfang noch kein großes Budget haben, haben wir oft mit Provisionsmodellen gearbeitet statt mit festen Gebühren.
Und trotzdem habt ihr euch entschieden, euer Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Warum?
Das Influencer-Marketing war spannend und hat gut funktioniert. Aber wir haben gemerkt, dass sich gerade im Bereich Automatisierung und Künstliche Intelligenz ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Deshalb haben wir begonnen, uns stärker in Richtung AI und Automatisierung zu entwickeln – ein nächster Schritt, der auf unseren bisherigen Erfahrungen aufbaut, aber noch einmal ganz neue Potenziale bietet.
Macht ihr das Influencer-Marketing noch oder habt ihr euch komplett neu ausgerichtet?
Robert: Es läuft noch ein Stück weit nebenher. Ich mache das inzwischen seit etwa drei Jahren, und irgendwann kommt der Punkt, an dem man auch etwas Neues ausprobieren möchte.
Ali: Wir haben vieles automatisiert und nehmen auch noch Anfragen an, wenn Unternehmen Unterstützung im Social-Media-Bereich brauchen. Aber komplett neue Influencer von Grund auf aufzubauen, das machen wir aktuell nicht mehr. Der Grund ist auch das Risiko: Man geht oft in Vorleistung, und es kann ein Jahr dauern, bis sich wirklich etwas entwickelt. In dieser Zeit kann viel passieren – man arbeitet mit Menschen, und da weiß man nie genau, wie sich alles entwickelt.
Was macht den Erfolg von Influencern wie Zahide auf TikTok aus?
Robert: Sie hat Social Media sehr gut genutzt, vor allem mit ihren Songs. Was auffällt: Für ihr junges Alter wirkt sie sehr professionell – gerade in Interviews.
Ali: Auch die Inhalte sind sehr durchdacht. Da steckt oft mehr dahinter, als man auf den ersten Blick sieht. Man merkt, dass da ein gutes Gespür und vermutlich auch ein starkes Team im Hintergrund vorhanden ist.
Ihr habt euer Geschäftsmodell weiterentwickelt und arbeitet jetzt im Bereich Künstliche Intelligenz. Wie kam es dazu?
Ali: Das hat eigentlich ganz praktisch begonnen: Wir haben zuerst unsere eigene Arbeit automatisiert. Durch unseren technischen Hintergrund haben wir angefangen, wiederkehrende Aufgaben mit KI zu unterstützen – zum Beispiel bei Texten, E-Mails, Bildern oder Videos. Als kleines Team muss man effizient arbeiten, und genau da hilft Automatisierung enorm. Dann haben wir gemerkt: Das interessiert auch andere. Freunde und Unternehmer aus unserem Umfeld fanden das spannend und wollten ähnliche Lösungen. So ist die Idee entstanden, daraus ein eigenes Angebot zu machen.
Freunde und Unternehmer aus unserem Umfeld fanden das spannend und wollten ähnliche Lösungen. So ist die Idee entstanden, daraus ein eigenes Angebot zu machen.
Was genau bietet ihr heute an?
Wir helfen Unternehmen dabei, Prozesse zu automatisieren – immer angepasst an den jeweiligen Bedarf. Das kann zum Beispiel sein: automatisierte E-Mail-Verarbeitung, Verknüpfung von Rechnungen mit Buchhaltungssystemen, Optimierung von internen Abläufen oder auch komplette Prozessketten. Es geht also nicht nur um Social Media, sondern um effiziente Abläufe im gesamten Unternehmen.
Sucht ihr noch euren Schwerpunkt oder seid ihr bewusst breit aufgestellt?
Wir sind aktuell noch dabei, uns stärker zu spezialisieren. Das hilft, gezielter Kunden anzusprechen und klarer zu kommunizieren, wofür wir stehen. Gleichzeitig ist es aber auch eine spannende Phase, in der man viel ausprobiert und dazulernt.
Ist dieses Ausprobieren für euch eher anstrengend oder motivierend?
Beides. Es ist herausfordernd, weil vieles neu ist und man sich immer wieder in neue Themen einarbeiten muss. Aber genau das macht auch Freude. Wenn man eine Lösung findet und sieht, dass sie funktioniert und Kunden zufrieden sind, ist das ein sehr gutes Gefühl.
Wenn man eine Lösung findet und sieht, dass sie funktioniert und Kunden zufrieden sind, ist das ein sehr gutes Gefühl.
Arbeitet ihr eher mit Unternehmen oder auch mit Privatpersonen?
Unser Fokus liegt klar auf B2B, also auf Unternehmen. Das Influencer-Thema war eher B2C, aber davon entfernen wir uns zunehmend.
Und wie international denkt ihr euer Geschäft heute?
Im Bereich der KI-Agentur konzentrieren wir uns aktuell auf Deutschland und den DACH-Raum. Unsere Recherchen haben gezeigt, dass andere Regionen – wie die USA oder auch der Nahe Osten, etwa Dubai – in diesem Bereich schon weiter sind. Dort gibt es mehr Wettbewerb. Hier sehen wir aktuell noch großes Potenzial.
Habt ihr euren Weg in die Selbstständigkeit schon einmal bereut?
Nein, aber man muss realistisch bleiben. Ein guter Monat bedeutet nicht, dass jeder Monat so läuft. Man sollte finanziell vorsichtig planen, Rücklagen bilden und sich nicht sofort hohe Ausgaben leisten.
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Man sollte finanziell vorsichtig planen, Rücklagen bilden und sich nicht sofort hohe Ausgaben leisten.
Themen wie Krankenversicherung sind ebenfalls wichtig.Wenn man das im Blick hat, bietet die Selbstständigkeit sehr viel Flexibilität.
Wie geht ihr mit Themen wie Altersvorsorge um?
Robert: Ich investiere aktuell in einen ETF-Sparplan. Langfristig ist aber das Ziel, Unternehmen so aufzubauen, dass sie auch ohne tägliche Arbeit Einnahmen generieren. Wenn wieder mehr finanzielle Spielräume da sind, wollen wir auch stärker investieren.
Welche Rolle spielt Geld für euch als Motivation?
Robert: Geld ist definitiv ein wichtiger Faktor. Wenn man viel Zeit und Energie investiert, erwartet man auch, dass sich das finanziell auszahlt. Gleichzeitig geht es nicht nur darum. Geld eröffnet auch Möglichkeiten – zum Beispiel, um neue Ideen umzusetzen oder Mehrwert für andere zu schaffen.
Geld eröffnet auch Möglichkeiten – zum Beispiel, um neue Ideen umzusetzen oder Mehrwert für andere zu schaffen.
Natürlich träumt man auch mal von großen Erfolgen oder finanzieller Freiheit. Aber es geht auch darum, mit dem, was man erreicht, wieder etwas Sinnvolles aufzubauen.
In Deutschland wird oft zurückhaltend über Geld gesprochen. Wie seht ihr das?
Wir finden, dass man als Unternehmer auch Geld verdienen wollen muss. Das gehört dazu. Gleichzeitig entstehen Einnahmen meist dann, wenn man echten Mehrwert schafft. Beides hängt eng zusammen.
Eure Generation steht oft in der Kritik, nicht besonders leistungsbereit zu sein. Wie seht ihr das?
Ali: Ich glaube, meine Motivation hat auch viel mit meiner Herkunft zu tun. Ich bin im Iran aufgewachsen, meine Familie ist nach Deutschland gekommen und wir haben hier bei null angefangen. Wenn man erlebt hat, wie es ist, nichts zu haben, entwickelt man automatisch einen anderen Antrieb. Man will mehr erreichen und nutzt die Chancen, die sich bieten.
Robert: Bei mir ist es ähnlich, nur aus einer anderen Perspektive. Ich bin nicht verwöhnt aufgewachsen. Ich hatte alles, was ich gebraucht habe – aber wenn ich mehr wollte, musste ich selbst dafür arbeiten. Das hat mir früh gezeigt: Man bekommt im Leben nichts geschenkt. Wenn man etwas erreichen will, muss man selbst Verantwortung übernehmen.
Man bekommt im Leben nichts geschenkt. Wenn man etwas erreichen will, muss man selbst Verantwortung übernehmen.
Ist das also eher ein individuelles Thema – oder ein Generationsthema?
Ich glaube, viele in unserer Generation haben heute mehr Sicherheit und Möglichkeiten. Das ist grundsätzlich etwas Gutes. Aber es kann auch dazu führen, dass der Druck fehlt, wirklich aktiv zu werden. Gleichzeitig gibt es auch viele, die sehr motiviert.
Ali, du hast Deutschland aus einer anderen Perspektive kennengelernt. Wie würdest du das Land beschreiben?
Ich habe hier vor allem Möglichkeiten gesehen. Wenn man erfolgreich sein will, kann man das hier erreichen – durch Arbeit und Einsatz.
Ich habe hier vor allem Möglichkeiten gesehen. Wenn man erfolgreich sein will, kann man das hier erreichen – durch Arbeit und Einsatz.
Natürlich bedeutet das auch, mehr zu investieren: vielleicht nicht nur 40 Stunden pro Woche, sondern auch mehr. Aber die Chancen sind da. In meinem Herkunftsland ist das anders. Dort gibt es Strukturen, die Erfolg stark einschränken. Hier hingegen hat man die Freiheit, etwas aufzubauen. Deshalb sehe ich Deutschland als ein Land voller Chancen – wenn man bereit ist, sie zu nutzen.
Wie sieht euer Arbeitsalltag konkret aus?
Robert: Ich starte früh, meist gegen 7 Uhr. Dann geht es direkt los mit den ersten Aufgaben – zum Beispiel bestehende Projekte prüfen oder mit Kunden kommunizieren. Ein großer Teil ist Akquise: neue Kunden gewinnen, Gespräche führen, Kontakte aufbauen. Dazu kommen Termine mit bestehenden Kunden und die Umsetzung laufender Projekte. Ich arbeite gerne in Blöcken: zwei bis drei Stunden konzentriert arbeiten, dann eine Pause – zum Beispiel fürs Training – und danach der nächste Block. Das hilft mir, produktiv zu bleiben. Ich arbeite noch klassisch mit einem Notizbuch. Dort schreibe ich meine Aufgaben auf und hake sie ab. Das gibt mir Struktur.
Ali, dein Alltag ist ja noch einmal anders organisiert.
Ali: Ja, bei mir beginnt der zweite Arbeitstag meistens nach Feierabend, also gegen 17 oder 18 Uhr. Dann geht es um die technische Umsetzung: Programmierung, Aufbau von KI-Lösungen, Projekte für Kunden. Abends kontrolliere ich auch noch die Social-Media-Aktivitäten unserer Kunden. Oft geht es bis Mitternacht oder länger – je nachdem, was gerade ansteht.
Habt ihr eure Aufgaben bewusst aufgeteilt?
Ali: Ja, das ist klar strukturiert. Robert übernimmt vor allem Vertrieb, Akquise und kaufmännische Themen wie Buchhaltung oder Behördenkommunikation. Ich konzentriere mich auf die technische Umsetzung. Diese Aufteilung passt gut, weil sie unseren Stärken entspricht.
Wie gewinnt man heute als junges Unternehmen neue Kunden?
Der wichtigste Kanal ist für uns Social Media – auch, weil wir dort Erfahrung haben. Ein weiterer wichtiger Bereich ist LinkedIn, gerade für den Austausch im B2B-Bereich. Bei bezahlter Werbung sind wir vorsichtig. Zuerst sollte man verstehen, welche Zielgruppe man anspricht und was funktioniert. Erst dann lohnt es sich, Geld zu investieren.
Spielt auch das lokale Netzwerk eine Rolle?
Ja, auf jeden Fall. Das darf man nicht unterschätzen. Ali und ich sind in Schwäbisch Gmünd sehr aktiv unterwegs, vernetzen uns mit lokalen Unternehmen, mit Hochschulen und auch mit Menschen aus dem öffentlichen Leben. Ali ist zum Beispiel auch mit Professoren der Hochschule für Gestaltung im Austausch. Uns ist wichtig, uns vor Ort einen Namen zu machen. Mund-zu-Mund-Empfehlungen spielen dabei eine große Rolle. Und wenn man über Social Media einen Kunden gewinnt und gute Arbeit abliefert, dann kann daraus im besten Fall auch die nächste Empfehlung entstehen.
Seht ihr euch also ganz bewusst als lokale Firma? Oder ist das eher ein digitales Geschäftsmodell, das man von überall aus betreiben könnte?
Robert: Ich würde schon sagen, dass wir lokal sind. Man könnte das Geschäft wahrscheinlich auch komplett online und von überall aus machen. Aber ich glaube, dann würde viel Potenzial verloren gehen. Schwäbisch Gmünd ist eine sehr schöne Stadt. Viele zieht es heute in große Metropolen wie Dubai oder Singapur. Aber auch kleinere Städte haben sehr viel Potenzial.
Ali: Deutschland insgesamt hat viel Potenzial. Für uns ist es derzeit auch kein Thema, in eine andere Stadt zu gehen. Viel wichtiger ist, dass hier Menschen mit guten Ideen und Projekten etwas aufbauen.
Das ist ein sehr positiver Blick auf Deutschland. Gerade von jemandem, der das Land von außen kennengelernt hat, ist das bemerkenswert.
Ali: Ja, ich sehe das wirklich so. Viele reden Deutschland schlecht, aber ich habe hier vor allem Chancen gesehen. Man kann hier etwas aufbauen, erfolgreich werden und eigene Ideen verwirklichen. Man muss es dann aber auch machen.
Kommen wir noch einmal zu euren KI-Lösungen. Was sind typische Anwendungsfälle, bei denen ihr ganz konkret helfen könnt?
Es gibt sehr viele Einsatzmöglichkeiten. Im Grunde kann man sagen: Alles, was täglich wiederkehrend passiert und ein oder zwei Stunden pro Tag kostet, kann man sich anschauen. Ein Beispiel ist ein Kunde von uns, der viele Anfragen per E-Mail bekommt, also Angebotsanfragen. Bislang musste eine Mitarbeiterin diese Informationen aus den Mails lesen, ins ERP-System eintragen und dann die weiteren Schritte anstoßen. Das kann man mit KI automatisieren. Die E-Mail wird ausgelesen, die relevanten Informationen werden erkannt, das System weiß, welche Produkte es gibt, und daraus kann automatisch ein Angebot erstellt und direkt an den Kunden zurückgeschickt werden. Das spart schnell mehrere Stunden pro Tag.
Ein anderes Beispiel ist die Buchhaltung. Auch dort gibt es viele wiederkehrende Aufgaben: Rechnungen zuordnen, Belege erfassen, Informationen richtig hinterlegen. Vieles davon lässt sich automatisieren.
Und dann gibt es natürlich den Bereich Social Media, den wir selbst sehr intensiv genutzt haben: Reels planen, Inhalte posten, Bilder generieren, Anzeigen erstellen. Gerade im E-Commerce kann man mit KI heute sehr viele Werbevarianten erzeugen und testen, welche davon wirklich funktioniert.
Viele denken bei KI noch an etwas sehr Abstraktes oder nur an große Unternehmen. Aber in Wirklichkeit kann sie auch ganz praktische, alltägliche Aufgaben übernehmen – gerade die, die oft Zeit kosten und wenig Freude machen.
Ihr habt beide schon einiges erlebt. Gab es einen Moment, bei dem ihr dachtet: Das war bisher unser bester Business-Moment?
Robert: Bei mir war das im Social-Media-Bereich der Moment, als ein Kunde von uns richtig viral gegangen ist. Wir hatten sechs Monate lang konsequent Inhalte gepostet – jeden Tag mehrere Reels und Videos – und lange ist nichts Großes passiert. Und dann auf einmal ging es los: innerhalb kurzer Zeit 10.000, 20.000, 30.000, 40.000, 50.000 Follower mehr. In diesem Moment merkt man: Diese Monate an Arbeit haben sich gelohnt. Das war ein starkes Gefühl.
Und bei dir, Ali?
Ich würde es etwas allgemeiner sagen. Wenn man zurückblickt, ist es schon besonders, von null gestartet zu sein und dann mit dem ersten eigenen Unternehmen direkt so weit gekommen zu sein, dass es profitabel war.
Wenn man zurückblickt, ist es schon besonders, von null gestartet zu sein und dann mit dem ersten eigenen Unternehmen direkt so weit gekommen zu sein, dass es profitabel war.
Den ersten Kunden zu gewinnen, war interessant. Aber die nächsten Kunden zu bekommen, war dann teilweise schon schwieriger. Umso schöner war es zu sehen, dass das Geschäftsmodell funktioniert– und zwar ohne großes Eigenkapital und ohne Schulden. Dass man schon nach relativ kurzer Zeit Gewinne erzielen und davon leben konnte, ist nicht selbstverständlich.
Wie wird Künstliche Intelligenz die Welt verändern – privat und geschäftlich? Und seht ihr dabei auch Gefahren?
Robert: Ich glaube, KI wird sehr vieles verändern – auch in der Arbeitswelt. Man sieht jetzt schon, dass gerade bei sogenannten White-Collar-Jobs, also eher wissensbasierten Berufen, große Veränderungen bevorstehen. Viele Tätigkeiten, für die Menschen in den vergangenen Jahren studiert und sich spezialisiert haben, werden sich verändern oder teilweise wegfallen.
Ali: Ich sehe das aber nicht als Untergang. Vor 50 oder 60 Jahren gab es auch ganz andere Berufe, und heute arbeiten viele Menschen selbstverständlich mit Computern. So wird es auch jetzt wieder sein: Es wird Veränderungen geben, aber auch neue Möglichkeiten. Wichtig ist, dass man sich damit beschäftigt.
Robert: Ich würde jedem raten, KI nicht zu ignorieren. Gleichzeitig sehe ich darin auch eine Chance. Wenn repetitive Aufgaben wegfallen – also Tätigkeiten, die immer gleich sind und wenig Kreativität verlangen –, dann gewinnt man Zeit. Und diese Zeit kann man sinnvoll nutzen: für Familie, Freunde, Sport, Natur oder für Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten. Deshalb würde ich sagen: KI sollte man eher als Werkzeug sehen als Feind. Sie kann auch zu mehr Freiheit beitragen – und das war ja für uns von Anfang an ein wichtiger Begriff.
Damit schließt sich der Kreis. Vielen Dank euch beiden für das Gespräch.
Gerne, vielen Dank für die Möglichkeit.










