
MAA spricht mit Simone Abelein
6 Jobs, 2 Kinder – und kein Burnout!? Wie Simone ihr Leben wirklich organisiert
Simone Abelein ist Unternehmerin, Mutter, Ehefrau, Sängerin und Traurednerin – und jongliert täglich zwischen Terminen, Verantwortung und eigenen Ansprüchen. Die meisten sind mit Job und Familie schon am Limit. Simone Abelein macht einfach noch drei Dinge mehr. Im Interview verrät sie wie sie das schafft, wo ihre Grenzen sind und was andere Frauen aus ihrem Alltag lernen können.
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Foto: Simone Abelein, privat
Simone, wenn man sich anschaut, was du alles machst – Nagelstudio, Bleaching, Networkmarketing, Spray-Tanning, Traurednerin, Sängerin, Mama, Ehefrau – ganz ehrlich: Wie sieht ein ganz normaler Tag bei dir aus?
Es hört sich immer selbst für mich schon total viel an, wenn man das alles so aufzählt. Da denke ich manchmal selber: Okay, wie machst du das eigentlich alles?
Ein normaler Tag startet bei mir aber tatsächlich ganz klassisch. Morgens dreht sich erstmal alles um die Kinder – schauen, dass sie aus dem Haus kommen, sich selbst fertig machen und irgendwie gut in den Tag starten. Danach geht es für mich meistens direkt ins Studio. Da bin ich dann voll im Arbeitsmodus, habe meine Kundinnen, Termine und kümmere mich um alles, was dort anfällt.
Aber im Kopf läuft parallel schon wieder das nächste Programm – und ich glaube, das kennen viele Mamas: Wann kommen die Kinder nach Hause? Was gibt es zu essen? Was muss ich noch einkaufen? Dieses ständige Mitdenken hört eigentlich nie auf.
"Dieses ständige Mitdenken hört eigentlich nie auf"
Mittags verschiebt sich der Fokus dann wieder ein Stück. Wenn die Kinder da sind, geht es um Hausaufgaben, Organisatorisches oder einfach darum, für sie da zu sein. Mein Sohn ist zwar schon in der Ausbildung, aber auch da gibt es immer wieder Themen, bei denen ich eingebunden bin.
Und dann ist es oft so ein fließender Übergang in den zweiten Teil des Tages: Entweder Zeit mit den Kindern, mal bewusst etwas für mich – wie Sport – oder eben wieder Arbeit. Das kann dann nochmal Kundschaft sein, Termine im Studio oder eben alles rund um meine anderen Bereiche.
Gerade bei den Trauungen kommt ja noch einiges dazu: E-Mails, Terminabsprachen, Gespräche mit Brautpaaren, Abläufe planen. Das läuft oft parallel im Hintergrund mit.
Unterm Strich ist kein Tag wirklich gleich. Es ist eher ein ständiges Wechseln zwischen Rollen – Mama, Unternehmerin, Organisatorin – und man ist eigentlich den ganzen Tag über irgendwo „im Tun“.
Viele Frauen haben schon mit Job und Familie das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst. Wann war bei dir der Punkt, an dem du gemerkt hast: Jetzt wird es wirklich viel – vielleicht zu viel?
Ich glaube, der entscheidende Punkt ist gar nicht unbedingt, dass mir alles „zu viel“ wird. Dieses Gefühl habe ich tatsächlich eher selten. Für mich zeigt sich Überforderung anders.
Es ist eher so, dass ich merke: Irgendwo beginnt etwas zu leiden. Entweder ich selbst, meine Energie oder ein Bereich, für den ich nicht mehr so brenne wie vorher. Und genau da wird es für mich spannend.
Ich hatte das zum Beispiel bei den Traureden. Das war lange ein Bereich, für den ich richtig gebrannt habe. Aber mit der Zeit – auch dadurch, dass es immer mehr Trauredner gibt – hat sich mein Gefühl dazu verändert. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Ich nehme mich da ein Stück weit raus. Nicht, weil es „zu viel“ war, sondern weil die Leidenschaft nicht mehr dieselbe war.
"Ich habe ständig Lust auf noch mehr"
Was bei mir eher die Herausforderung ist: Ich habe ständig Lust auf noch mehr. Ich sehe Möglichkeiten, Ideen, neue Dinge – und denke mir: Das könntest du auch noch machen… und das auch noch…
Manchmal ist es tatsächlich meine eigene Motivation, die mich überfordert, weil ich so viel Energie habe und so viele Dinge umsetzen möchte.
Und ich glaube, genau da liegt der Schlüssel: Solange man für etwas brennt, fühlt es sich selten zu viel an. Aber man muss ehrlich genug zu sich sein, um zu erkennen, wann etwas seinen Platz hatte – und wann es vielleicht nicht mehr an der Reihe ist.
Dann darf man auch loslassen. Ohne schlechtes Gewissen.
Du machst nicht nur vieles – du machst vieles gleichzeitig auf einem hohen Niveau. Was ist dein System dahinter? Oder ist es am Ende doch oft einfach Chaos, das du irgendwie im Griff behältst?
(lacht) Also erstmal hört man das natürlich gerne, wenn jemand sagt „hohes Niveau“. Aber ich selbst sehe das ganz anders. Ich bin extrem kritisch mit mir.
Egal, was ich mache – ich habe eigentlich nie das Gefühl: So, das passt jetzt perfekt. Sondern eher: Da könntest du noch was verbessern… da geht noch mehr… das könntest du noch optimieren.
Ich bin ständig in diesem Modus, Dinge zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Und ich glaube, genau das ist auch der Grund, warum es nach außen vielleicht strukturiert wirkt – obwohl es sich für mich oft gar nicht so anfühlt.
Wenn ich ehrlich bin: Es ist schon ein gewisses Chaos. Aber ein Chaos, das ich irgendwie im Griff halte.
Der Unterschied ist vielleicht, dass ich bereit bin, dafür die Extrameile zu gehen. Ich bin abends nicht die, die um 19 oder 20 Uhr sagt: „Jetzt ist Feierabend, jetzt lege ich mich auf die Couch.“ Klar gibt es diese Momente auch mal – aber oft sitze ich dann nochmal da, beantworte Nachrichten, plane Dinge oder denke weiter.
"Okay, diese Woche lief’s – aber nächste Woche musst du da wieder mehr rausholen"
Oder ich starte früher in den Tag, stehe morgens eher auf und sortiere mir meine To-dos, bevor der Alltag richtig losgeht.
Was man aber auch ehrlich sagen muss: Es bleibt immer irgendwo etwas liegen. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Ich versuche, die Familie immer an erste Stelle zu setzen – wenn da etwas ist, hat das Vorrang.
Aber wenn mir dann eine Kundin schreibt: „Du wolltest mir noch antworten…“ – das ärgert mich total. Weil ich den Anspruch habe, alles sauber zu machen und niemanden zu vergessen.
Ich glaube, am Ende ist es genau das: Ein hoher Anspruch an mich selbst. Es gibt bestimmt viele, die sagen: „Das läuft doch gut so.“ Aber ich bin eher die, die sagt: Okay, diese Woche lief’s – aber nächste Woche musst du da wieder mehr rausholen.
Und ich glaube, ohne diesen Anspruch würde das alles auch nicht so funktionieren.
Gab es Momente, in denen du gedacht hast: „Ich schaffe das alles nicht mehr“? Und wenn ja – was hat dir konkret geholfen, nicht aufzugeben oder Dinge einfach hinzuwerfen?
Ja, diesen Punkt gab es auf jeden Fall – auch wenn ich das lange gar nicht so klar benennen konnte.
Bei mir hat sich das weniger im Kopf gezeigt, sondern eher körperlich. Ich hatte eine Phase, in der es mir einfach nicht gut ging. Da kamen mehrere Dinge zusammen – hormonelle Themen, Schilddrüse – und ich habe gemerkt: Mein Körper zieht nicht mehr so mit, wie ich es gewohnt bin.
Ich bin eigentlich jemand, der denkt: Solange mein Kopf motiviert ist, kriege ich alles irgendwie hin. Und genau das war wahrscheinlich auch das Problem. Ich habe einfach weitergemacht.
Gerade in der Zeit vor Corona war es extrem viel. Ich habe bis spät in die Nacht gearbeitet, Songs gelernt, Traureden vorbereitet, Termine gehabt, mich um die Kinder gekümmert – das lief alles irgendwie im Flow. Und genau deshalb merkt man oft gar nicht, dass man seine eigenen Grenzen überschreitet.
Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Mir fehlt Energie. Mir geht es nicht gut. Aber gleichzeitig war da immer noch dieser Gedanke: Ich muss ja funktionieren.
Und das war für mich der Moment, wo ich gemerkt habe: Es geht gar nicht darum, dass ich unbedingt weniger machen muss – sondern dass ich anfangen muss, besser auf mich selbst zu achten.
Ein ganz entscheidender Schritt war für mich dann der Sport. Ich sage heute noch, ich ärgere mich, dass ich damit nicht früher angefangen habe. Weil das für mich mental ein riesiger Unterschied ist. Mein Kopf wird klarer, ich habe mehr Energie, ich fühle mich wieder stabiler.
Ich habe dadurch verstanden: Man muss nicht immer sofort Dinge streichen. Aber man muss lernen, sich selbst wieder mehr Priorität zu geben.
Du bist Unternehmerin, Mama, Partnerin – das sind Rollen, die oft miteinander kollidieren. Wo zahlst du aktuell den größten Preis für dein Leben? Zeit, Energie, vielleicht auch mal Nerven?
Ich würde sagen ganz klar: Zeit.
Das ist der Punkt, an dem ich es am meisten merke. Dieses Gefühl, dass der Tag einfach zu wenig Stunden hat, um allem gerecht zu werden, was man sich selbst vorgenommen hat.
Ich bin vom Typ her eigentlich jemand, der es zu Hause sehr strukturiert und ordentlich mag. Ich liebe es, wenn alles seinen Platz hat, wenn es „straight“ ist. Aber die Realität sieht oft anders aus. Wenn ich dir manchmal zeigen würde, wie es bei uns aussieht, würde man eher denken, hier ist eingebrochen worden. (lacht)
Und genau das triggert mich dann auch. Weil ich weiß: Eigentlich hätte ich gern die Zeit, mich darum zu kümmern. Aber es gibt einfach immer Dinge, die gerade wichtiger sind.
Wenn nichts ansteht und keiner kommt, dann bleibt halt auch mal was liegen. Und da bin ich ehrlich gesagt auch froh, dass mein Mann da deutlich entspannter ist als ich. Der sagt dann ganz trocken: „Hier wird gelebt. Solange nichts am Boden festklebt, ist alles gut.“
Das hilft mir, nicht komplett durchzudrehen. (lacht)
Aber ja – wenn ich etwas ändern könnte, dann wäre es genau das: ein bisschen mehr Zeit. Und vielleicht auch die Fähigkeit, meine Prioritäten da und dort noch bewusster zu setzen.
Welche der Dinge, die du im Business-Kontext machst, führen denn zu den meisten Lachern und helfen dir dabei einfach mit Freude dabei zu bleiben?
(lacht) Also, Lacher gibt es tatsächlich in mehreren Bereichen – aber beim Spray-Tanning ist es schon besonders.
Da erlebe ich immer wieder die gleichen Situationen. Viele Kundinnen kommen rein und haben erstmal richtig Angst. Und ich denke mir innerlich oft: Das kann jetzt nicht dein Ernst sein.
Die Leute haben teilweise schon die wildesten Sonnenstreifen – vom T-Shirt, vom Bikini, von der Radlerhose, von den Socken, von den Sandalen – da passt eigentlich gar nichts mehr zusammen. Aber dann sitzen sie vor mir und haben Angst, dass sie beim Tanning „fleckig“ werden könnten.
Und das ist für mich immer wieder so ein Moment, wo ich schmunzeln muss. Natürlich lache ich niemanden aus – aber ich denke mir schon: Du hast gerade fünf verschiedene Bräunungszonen vom Sonnenbaden, aber Angst vor ein paar gleichmäßigen Nuancen mehr?
Das kommt einfach daher, dass viele glauben, ich würde da eine Farbe aufsprühen. So wie früher diese Selbstbräuner, die dann fleckig werden. Aber eigentlich ist das ein ganz natürlicher Prozess. Es wird nichts „übermalt“, sondern die oberste Hautschicht wird einfach angeregt, sich zu bräunen – ähnlich wie bei Sonne, nur kontrollierter und gleichmäßiger.
Und genau diese Missverständnisse führen oft zu den witzigsten Gesprächen.
Was ich daran aber liebe: Wenn die Leute danach in den Spiegel schauen und plötzlich merken, wie gut sie sich fühlen, dann ist dieser Moment einfach unbezahlbar. Und genau das ist es auch, was mir dabei so viel Spaß macht.
Was würdest du Frauen sagen, die sich gerade komplett überfordert fühlen und denken: „Ich kriege mein Leben nicht mehr sortiert“ – aber gleichzeitig spüren, dass da eigentlich mehr in ihnen steckt, vielleicht sogar auch der Wunsch nach einer Selbstständigkeit oder einem neuen Projekt?
Das ist genau mein Thema. Wirklich. Da brenne ich total dafür.
Ich habe oft das Gefühl, dass sich viele Frauen viel zu wenig zutrauen. Es wird immer zuerst überlegt: Was könnte schiefgehen? Was verliere ich? Was, wenn ich scheitere?
Aber viel zu selten kommt die Frage: Was, wenn es gut wird?
Warum nicht einfach mal den Gedanken zulassen: Ich probiere das jetzt aus.
Es geht ja nicht darum, sofort alles auf eine Karte zu setzen oder direkt ein großes Unternehmen aufzubauen. Oft sind es kleine Schritte. Kleine Möglichkeiten. Dinge, die man erstmal testen kann. Und trotzdem haben viele schon Angst davor, überhaupt anzufangen.
"Die Leute sind oft neidisch auf das, was du hast – aber nicht auf das, was du dafür getan hast"
Ich bin da komplett anders. Ich denke mir: Lieber probiere ich einmal zu viel und merke, es ist nichts für mich – als dass ich es nie versucht habe und mich später frage, was gewesen wäre.
Und was heute ein riesiger Vorteil ist: Du kannst dich so einfach informieren. Über Social Media, über Gespräche, über andere Menschen, die den Weg schon gegangen sind.
Ich glaube auch, dass sich gerade unter Frauen in den letzten Jahren viel verändert hat. Es geht weniger darum, Dinge für sich zu behalten, sondern eher darum, sich gegenseitig zu unterstützen. Und genau das sollte man nutzen.
Trau dich, auf Menschen zuzugehen. Frag nach. Hol dir Einblicke. Schau dir an, wie andere gestartet sind. Die meisten haben auch klein angefangen.
Und was ich ganz wichtig finde: Viele sehen immer nur das Ergebnis bei anderen – aber nicht den Weg dahin. Die Arbeit, die Rückschläge, die Entwicklung.
Ich sage immer: Die Leute sind oft neidisch auf das, was du hast – aber nicht auf das, was du dafür getan hast.
Und vielleicht ist es auch gar nicht das Ziel, sofort ganz oben anzukommen. Vielleicht reicht es erstmal, überhaupt anzufangen. Zu merken: Es funktioniert. Und dann Schritt für Schritt weiterzugehen.











